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ArtTherapy

Digitale Kunsttherapie für Menschen mit schwerer Behinderung und Trauma — barrierefrei, prozessorientiert, würdevoll

3 Phasen 3 Modi Augensteuerung
App öffnen

Läuft direkt im Browser — keine Installation erforderlich · Touch, Maus, Augensteuerung

Was ist ArtTherapy?

ArtTherapy ist eine digitale Malumgebung, die als therapeutisches Werkzeug konzipiert wurde — nicht als Mal-App, die therapeutisch eingesetzt werden könnte. Dieser Unterschied ist entscheidend: Nicht das Ergebnis zählt, sondern der Prozess des Gestaltens. Nicht die Qualität des Bildes, sondern die Erfahrung der Selbstwirksamkeit.

Die App richtet sich an Menschen mit schwerer Behinderung, schweren Traumata oder komplexen Kommunikationseinschränkungen. Sie ermöglicht kreativen Ausdruck über drei Eingabewege — Augenbewegung, Berührung und Maus — und folgt einem strukturierten therapeutischen Phasenmodell nach Judith Herman (1992) und den Konzepten von Edith Kramer, Margaret Naumburg sowie Karl-Heinz Menzen.

ArtTherapy ist eine Mal-App.
Sie wurde für Therapie gemacht.
Das Malen selbst ist die Therapie.
Es geht nicht darum, ein schönes Bild zu malen.
Es geht darum, sich gut zu fühlen beim Malen.
Man kann mit den Augen, dem Finger oder der Maus malen.

Das Phasenmodell: Ankommen – Ausdruck – Würdigung

Die App spiegelt das klinische Phasenmodell der Traumatherapie nach Judith Herman (1992) als Mikro-Phasenstruktur einer einzelnen Therapiesitzung wider:

Phase 1: Ankommen

Der Bildschirm öffnet sich mit einer meditativen Animation: farbige Lichtfelder bewegen sich langsam auf dunklem Grund, reagieren subtil auf Augenbewegung oder Berührung. Kein Handlungsdruck. Der Atem-Rhythmus (4 Sek. ein, 4 Sek. aus) lädt zur Regulierung ein. Somatisches Grounding nach Levine und Ogden.

Phase 2: Ausdruck

Drei Farben aus therapeutisch kuratierter Palette, drei Werkzeuge (Fluss, Kreis, Spur), drei Modi (Frei, Spiegel, Mandala). Die Limitierung ist bewusst: wenige Optionen vermeiden kognitive Überlastung. Nach 8 Sekunden Inaktivität erscheint ein subtiler Atem-Indikator — eine Einladung zum Körperbewusstsein.

Phase 3: Würdigung

Das Bild wird auf dunklem Hintergrund als Kunstwerk gezeigt — nicht als Protokoll. Es erhält einen poetischen Titel (zufälliges Adjektiv + Farbname + Datum). Ein Abschluss, der die Session schließt und dem Entstandenen einen Platz gibt. Würde als Designprinzip nach Naumburg.

Die App hat drei Teile:
Ankommen: Man schaut auf den Bildschirm.
Es gibt ruhige Bewegungen. Kein Stress.
Ausdruck: Man malt mit Farben.
Es gibt wenige Farben und Werkzeuge.
Würdigung: Das Bild wird gezeigt.
Das Bild bekommt einen Namen.
Es ist ein echtes Kunstwerk.

Die drei Modi

Frei

Die Geste bleibt, wie sie ist — keine Spiegelung, keine Wiederholung. Autonomie, Spontaneität und freier Ausdruck. Jede Bewegung ist einmalig und gehört dem Moment. Für Menschen, die Kontrolle und Freiheit benötigen.

Spiegel

Jede Geste wird horizontal gespiegelt. Bilaterale Stimulation — beide Seiten des Bildschirms reagieren symmetrisch. Hass-Cohen und Carr (2008) beschreiben bilaterales Malen als Technik zur Förderung der Interhemisphären-Kommunikation – ein Prinzip, das auch in der EMDR-Diskussion thematisiert wird.

Mandala

16-fache Rotationssymmetrie: Minimale Augenbewegungen erzeugen großflächige, symmetrische Muster. Selbstwirksamkeit durch Verhältnismäßigkeit — sehr eingeschränkte Bewegungen führen zu sichtbaren, ästhetischen Ergebnissen. C. G. Jung beschrieb Mandalas als Ausdruck der Ganzwerdung des Selbst.

Es gibt 3 Arten zu malen:
Frei: Man malt einfach. Alles bleibt, wie es ist.
Spiegel: Was man links malt, erscheint auch rechts.
Das Bild ist symmetrisch.
Mandala: Eine Geste wird 16 Mal gedreht.
So entsteht ein rundes, schönes Muster.

Theoretische Grundlagen

Die App integriert drei Hauptströmungen der Kunsttherapie:

  • Edith Kramer (1916–2014) — Kunst als Therapie: Der therapeutische Wert liegt im Akt des Gestaltens selbst. Jede Geste hat therapeutischen Wert, unabhängig vom Ergebnis. Sublimierende Funktion kreativer Prozesse. Die App folgt diesem Grundsatz: Es gibt keine Bewertung, keinen Fehler, kein Alarm.
  • Margaret Naumburg (1890–1983) — Kunst in der Therapie: Das Bild als Kommunikationsweg zwischen Therapeut und Klient. Naumburgs Ansatz findet Eingang in die Würdigungs-Phase: Das Bild wird als vollwertiges Kunstwerk gezeigt und lädt zur Betrachtung ein.
  • Karl-Heinz Menzen — Heilpädagogische Kunsttherapie: Menzen (1994, 2017) beschreibt anhand neurobiologischer Erkenntnisse, dass bildnerische Prozesse bei eingeschränkter Sprachfähigkeit subkortikale und sensorimotorische Systeme aktivieren. Sein „Umweg über das Bild” — für Menschen mit schwerer Behinderung oft der direkteste Weg zum Ausdruck.

Weitere Grundlagen: Bessel van der Kolk (2014) zu traumatischen Gedächtnissen als sensorische Körpererinnerungen; Cathy Malchiodi (2020) zu expressiver Kunsttherapie bei Trauma; Hass-Cohen & Carr (2008) zur neurowissenschaftlichen Fundierung.

Die App basiert auf drei wichtigen Forschern:
Edith Kramer sagt: Der Prozess des Malens hilft.
Nicht das Bild selbst.
Margaret Naumburg sagt: Ein Bild kann zeigen, wie man sich fühlt.
Karl-Heinz Menzen sagt: Malen hilft besonders,
wenn jemand nicht sprechen kann.

Zielgruppen

Menschen mit schwerer Behinderung

Menschen mit schwerer geistiger Behinderung, Locked-in-Syndrom, hoher Querschnittslähmung oder schwerer Mehrfachbehinderung. Konventionelle Kunstmaterialien sind oft nicht zugänglich — ArtTherapy eröffnet einen würdevollen, barrierefreien Zugang. Augenbewegungssteuerung ermöglicht Gestalten auch bei minimal vorhandener Motorik.

Menschen mit schweren Traumata

Bei komplexer PTBS, dissoziativen Störungen oder traumabedingter Sprachlosigkeit bietet die App einen nonverbalen Ausdruckskanal. Gemäß van der Kolk (2014) sind traumatische Erinnerungen häufig sensorisch-körperlich gespeichert — bildnerische Mittel umgehen den „sprachlosen Schrecken”.

Therapeutisches Setting

ArtTherapy ist ein Werkzeug, kein Ersatz für therapeutische Begleitung. Jede Session sollte durch eine qualifizierte Person (Kunsttherapeut, Heilpädagoge, Ergotherapeut mit kunsttherapeutischer Zusatzqualifikation) begleitet oder nachbetreut werden. Das Therapeuten-Setup erlaubt individuelle Konfiguration vor jeder Session.

Die App ist für verschiedene Menschen:
Für Menschen mit schwerer Behinderung.
Für Menschen, die sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Ein Therapeut oder eine Therapeutin sollte dabei sein.
Die App ist kein Ersatz für Therapie.

Therapeuten-Setup und Datenschutz

Das Therapeuten-Setup (setup.html) erlaubt vor jeder Session die individuelle Konfiguration:

  • Farbpalette wählen: Warm (Altrosa, Goldgelb, Lachs), Kühl (Himmelblau, Violett, Grüntürkis) oder Erde (Siena, Waldgrün, Sand) — therapeutisch nach der Bedarfslage ausgewählt.
  • Startmodus wählen: Frei, Spiegel oder Mandala als Ausgangspunkt der Session.
  • Dwell-Zeit einstellen: 600 bis 3000 ms, angepasst an Eye-Tracker und motorische Fähigkeiten der Person.

Datenschutz: Alle Sitzungsdaten werden ausschließlich lokal im Browser (localStorage) gespeichert. Es erfolgt kein Datenupload, kein Tracking, keine externe Übertragung. Bilder werden nur auf explizite Nutzeraktion gespeichert. Sitzungsprotokolle (Datum, Dauer, Palette, Modus) sind ausschließlich im Setup-Bereich sichtbar.

Vor der Session kann der Therapeut die App einstellen.
Er wählt die Farben aus.
Er wählt den Mal-Modus aus.
Er stellt ein, wie lange man schauen muss, damit etwas passiert.
Alle Daten bleiben auf dem Gerät.
Nichts wird ins Internet geschickt.

ArtTherapy ausprobieren

Kostenlos und ohne Anmeldung — direkt im Browser. Für Therapeut:innen: Zuerst das Therapeuten-Setup aufrufen und Farben sowie Dwell-Zeit einstellen.

Die App ist gratis. Sie brauchen nichts herunterladen.
Einfach den Link anklicken.

App öffnen → Therapeuten-Setup