Literacy und Unterstützte Kommunikation
Literacy in der Unterstützten Kommunikation
Literacy erweitert Unterstützte Kommunikation
Unterstützte Kommunikation und Literacy sind keine getrennten Bereiche, sondern ergänzen und verstärken sich gegenseitig. Symbolbasierte UK-Systeme bieten einen wichtigen ersten Zugang zur Kommunikation, aber sie haben eine natürliche Begrenzung: Es können nur die Wörter und Sätze gesagt werden, die im System hinterlegt sind. Literacy erweitert diese Grenze fundamental. Wer Buchstaben kennt und Wörter schreiben kann, ist nicht mehr auf vorprogrammierte Inhalte angewiesen. Die Person kann jedes beliebige Wort produzieren und damit ein unbegrenztes Kommunikationsspektrum erreichen.
Das bedeutet nicht, dass Symbole überflüssig werden. Symbole bleiben ein schneller und effizienter Kommunikationsweg, besonders für häufig gebrauchte Wörter und Sätze. Literacy ergänzt die symbolbasierte Kommunikation um die Möglichkeit, alles auszudrücken, was Symbole allein nicht abdecken: Eigennamen, Fachbegriffe, Wortneuschöpfungen, Humor und differenzierte Aussagen.
Mit Buchstaben kann man mehr sagen.
Symbole haben nur bestimmte Wörter.
Aber mit Buchstaben kann man jedes Wort schreiben.
Zum Beispiel: den Namen eines Freundes.
Oder einen Witz, den man erzählen will.
Symbole und Buchstaben zusammen sind am besten.
Lesen und Unterstützte Kommunikation gehören zusammen.
Unterstützte Kommunikation unterstützt Literacy
Umgekehrt bietet das UK-System wichtige Werkzeuge für den Literacy-Erwerb. Das UK-Gerät stellt eine Tastatur bereit, über die die Person Buchstaben eingeben und Wörter schreiben kann – auch wenn sie nicht mit der Hand schreiben kann. Die Sprachausgabe des Geräts ermöglicht es, geschriebene Wörter und Sätze hörbar zu machen, was das Verständnis der Beziehung zwischen Schrift und Sprache fördert. Moderne UK-Geräte bieten zudem Funktionen wie Wortvorhersage und Autovervollständigung, die den Schreibprozess unterstützen und beschleunigen.
Das UK-Gerät ist damit nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern gleichzeitig ein Werkzeug für den Schriftspracherwerb. Es ermöglicht Schreibversuche, gibt akustische Rückmeldung und bietet einen barrierefreien Zugang zur Welt der Buchstaben und Wörter.
Der Sprachcomputer hilft beim Schreiben.
Man kann Buchstaben auf dem Gerät tippen.
Das Gerät spricht das Wort dann laut aus.
So hört man, was man geschrieben hat.
Das Gerät schlägt auch Wörter vor.
Das macht das Schreiben leichter.
Das UK-Gerät ist ein Werkzeug zum Üben.
Kernvokabular als Brücke
Das Kernvokabular – die am häufigsten verwendeten Wörter einer Sprache – spielt eine besondere Rolle an der Schnittstelle von Unterstützter Kommunikation und Literacy. Diese etwa 200–300 Wörter machen bis zu 80% der gesprochenen Sprache aus. In modernen UK-Systemen werden diese Wörter sowohl als Symbol als auch in Schriftform dargestellt. Wenn eine Person das Kernvokabular in beiden Modalitäten kennt, entsteht eine natürliche Brücke zwischen symbolbasierter und schriftbasierter Kommunikation.
Die Person sieht bei jedem Tastendruck sowohl das Symbol als auch das geschriebene Wort. Über die Zeit hinweg beginnt sie, die geschriebenen Wörter wiederzuerkennen, und baut so einen ersten Sichtwortschatz auf. Dieser Prozess geschieht oft beiläufig im alltäglichen Gebrauch des UK-Geräts und legt eine wichtige Grundlage für den weiteren Literacy-Erwerb.
Die wichtigsten Wörter gibt es als Bild und als Text.
Zum Beispiel: ich, du, ist, will, nicht, haben.
Diese Wörter benutzt man sehr oft.
Sie heißen Kernvokabular.
Im UK-Gerät sieht man das Bild und das Wort zusammen.
So lernt man die geschriebenen Wörter kennen.
Das hilft beim Lesenlernen.
Alphabetisches Prinzip im UK-Gerät
Die Vokabulare Scripo Start und Scripo Pro sind speziell dafür konzipiert, das alphabetische Prinzip innerhalb des UK-Geräts zu vermitteln. Scripo Start richtet sich an Menschen, die erste Erfahrungen mit Buchstaben und dem Zusammenhang zwischen Lauten und Schrift sammeln. Scripo Pro bietet eine erweiterte Ebene für fortgeschrittenere Literacy-Fähigkeiten, bei der Symbol- und Textebene parallel genutzt werden können.
In beiden Vokabularen ist das alphabetische Prinzip direkt in die Kommunikationsumgebung integriert. Die Person muss nicht zwischen einem Kommunikationsgerät und einem separaten Lernprogramm wechseln, sondern erlebt Literacy als natürlichen Bestandteil ihrer Kommunikation. Die Sprachausgabe des Geräts gibt bei jedem Buchstaben und jedem Wort eine akustische Rückmeldung, die das Verständnis der Laut-Buchstaben-Beziehung unterstützt.
In Scripo Start und Scripo Pro sind Buchstaben eingebaut.
Man kann Buchstaben tippen.
Das Gerät sagt dann den Laut dazu.
So lernt man: Welcher Buchstabe klingt wie?
Man muss nicht extra ein Lernprogramm benutzen.
Man lernt beim Sprechen mit dem Gerät.
Predictable Chart Writing mit Unterstützter Kommunikation
Predictable Chart Writing ist eine bewährte Methode der Literacy-Förderung, die sich besonders gut für den Einsatz mit Unterstützter Kommunikation eignet. Bei dieser Methode gibt die Lehrkraft einen wiederkehrenden Satzanfang vor (zum Beispiel: „Ich mag…“ oder „Am Wochenende…“), und jede Person in der Gruppe ergänzt den Satz mit einem eigenen Beitrag. Die Beiträge werden auf einem großen Plakat festgehalten.
Für UK-Nutzer bietet Predictable Chart Writing eine ideale Möglichkeit, aktiv am Schreibprozess teilzunehmen. Die Person kann ihren Beitrag über das UK-Gerät formulieren – sei es über Symbole, über die Tastatur oder durch eine Kombination beider Modalitäten. Da der Satzanfang immer gleich ist, konzentriert sich die Aufgabe auf ein einzelnes Wort oder eine kurze Ergänzung, was die Anforderung handhabbar macht und Erfolgserlebnisse ermöglicht.
Alle schreiben zusammen Sätze.
Jeder Satz beginnt gleich.
Zum Beispiel: „Ich mag ...“
Dann ergänzt jeder sein eigenes Wort.
Man kann das Wort mit dem UK-Gerät sagen.
Das übt Schreiben und macht Spaß.
Alle können mitmachen.
Rolle der Kommunikationspartner
Die Kommunikationspartner – Eltern, Lehrkräfte, Therapeuten, Assistenzkräfte – spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbindung von Unterstützter Kommunikation und Literacy. Sie sind diejenigen, die Literacy-Erfahrungen im Alltag schaffen, die Schrift modellieren und die Person ermutigen, selbst zu lesen und zu schreiben. Ohne engagierte Kommunikationspartner bleiben Literacy-Angebote wirkungslos.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Kommunikationspartner gehört das sogenannte Aided Language Modelling: Die Kommunikationspartnerin bzw. der Kommunikationspartner zeigt auf dem UK-Gerät, was sie oder er sagt, und modelliert dabei auch die Schriftebene. Sie oder er liest vor, zeigt auf geschriebene Wörter, beschriftet die Umgebung und bindet Schrift in alltägliche Aktivitäten ein. Gleichzeitig gibt sie oder er der Person ausreichend Zeit und Gelegenheit, selbst mit Schrift zu experimentieren – ohne Druck und ohne Korrektur. Jeder Versuch wird wertgeschätzt, denn jeder Versuch ist ein Schritt auf dem Weg zur Literacy.
Andere zeigen, wie man den Sprachcomputer benutzt.
Das nennt man Modelling.
Eltern, Lehrer und Helfer sind sehr wichtig.
Sie zeigen Buchstaben und Wörter auf dem Gerät.
Sie lesen vor und zeigen auf geschriebene Wörter.
Sie geben viel Zeit zum Üben.
Geduld ist sehr wichtig.
Jeder Versuch wird gelobt.
Weiter informieren
Sie möchten Unterstützte Kommunikation und Literacy gezielt verbinden? Der Vokabular-Finder hilft bei der Auswahl; für konkrete Fragen können Sie einen Termin über unsere Terminseite buchen.