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Vokabularwahl und Literacy

Das richtige Vokabular für Literacy-Förderung

Von Lars Tiedemann, Dipl. Heilpädagoge · Stand: März 2026

Welches Vokabular passt zu welchem Literacy-Ziel?

Die Wahl des richtigen Vokabulars ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Versorgung mit Unterstützter Kommunikation – und sie hat direkte Auswirkungen auf die Literacy-Entwicklung. Verschiedene Vokabulare bieten unterschiedliche Grade der Literacy-Integration: Manche konzentrieren sich auf symbolbasierte Kommunikation ohne besonderen Literacy-Fokus, während andere das alphabetische Prinzip gezielt in die Kommunikationsumgebung einbetten. Die richtige Wahl hängt von den aktuellen Fähigkeiten, den Zielen und dem Entwicklungsstand der Person ab.

Ein Grundprinzip der AAC-Forschung (vgl. Light & McNaughton, 2014): Ein gutes Vokabular muss zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Es muss mit den aktuellen Fähigkeiten der Person sofort einsetzbar sein — und es muss Erweiterung und Wachstum ermöglichen. Ein System, das nur den aktuellen Stand abbildet, bremst die Entwicklung. Ein System, das zu anspruchsvoll ist, kann nicht genutzt werden. Die Vokabulare von AssistUK (Scripo Start und Scripo Pro) sind nach diesem Prinzip aufgebaut: Kommentare, thematische Seitensets mit fertigen Sätzen und ein ICH-Buch ermöglichen sofortige Kommunikation. Der ABC-Bereich bietet gleichzeitig den strukturierten Weg zur Erweiterung der Lese- und Schreibfähigkeiten — schon mit Teilfähigkeiten (1–2 bekannte Buchstaben).

Es gibt verschiedene Vokabulare für UK-Geräte.
Manche haben nur Bilder zum Sprechen.
Andere haben Bilder und Buchstaben.
Und manche haben nur eine Tastatur.
Welches Vokabular passt, hängt von der Person ab.
Hier erklären wir die Unterschiede.

Easy: Kommunikation ohne Literacy-Fokus

Das Vokabular Easy ist ein symbolbasiertes Kernvokabularsystem, das den Schwerpunkt auf effektive Kommunikation legt. Es bietet ein umfangreiches Repertoire an Symbolen, die nach linguistischen Prinzipien organisiert sind, und ermöglicht eine flexible, alltagstaugliche Kommunikation. Der Fokus liegt auf dem Aufbau kommunikativer Kompetenz – der Fähigkeit, sich in verschiedenen Situationen verständlich zu machen und an Gesprächen teilzunehmen.

Easy enthält zwar geschriebene Wörter unter den Symbolen, was beiläufig zum Aufbau eines Sichtwortschatzes beitragen kann, aber es gibt keine gezielte Literacy-Komponente. Für Personen, deren primäres Ziel die Kommunikation über Symbole ist, ist Easy ein vollwertiges System — kein Zwischenschritt, sondern eine eigenständige Wahl. Literacy-Erfahrungen können und sollten parallel durch Vorlesen, Schriftumgebung und gemeinsame Buchbetrachtung angeboten werden, unabhängig vom Vokabular.

Easy hat einfache Bilder zum Sprechen.
Man drückt auf ein Bild und das Gerät spricht.
Es gibt noch keine Buchstaben zum Schreiben.
Easy ist gut für den Anfang.
Man lernt, wie man mit dem Gerät spricht.
Lesen kann man trotzdem nebenher üben.

Scripo Start: Einstieg in Literacy

Scripo Start ist speziell für den Einstieg in die Literacy-Förderung konzipiert. Es verbindet ein funktionsfähiges Kernvokabular auf Symbolbasis mit einer systematischen Einführung des alphabetischen Prinzips. Die Person kann weiterhin über Symbole kommunizieren, wird aber gleichzeitig mit Buchstaben, Lauten und den Grundlagen des Lesens und Schreibens vertraut gemacht.

In Scripo Start sind Buchstaben und erste Wörter direkt in die Kommunikationsumgebung integriert. Die Person begegnet dem Alphabet nicht in einem separaten Lernprogramm, sondern im Kontext ihrer täglichen Kommunikation. So werden Literacy-Erfahrungen zu einem natürlichen Bestandteil des Gerätgebrauchs. Scripo Start eignet sich besonders für Personen, die sich in der Phase emergenter Literacy befinden — also beginnen, Druckschrift wahrzunehmen, Bücher als bedeutungstragend zu erkennen und erste Buchstabenerfahrungen zu sammeln (vgl. Erickson & Koppenhaver, 2020). Das Ziel ist nicht die formale Laut-Buchstaben-Zuordnung, sondern das Erleben von Schrift als kommunikativem Werkzeug.

Wichtig: Auch Teilfähigkeiten reichen aus. Wer nur den ersten Buchstaben eines Wortes kennt, kann den ABC-Bereich in Scripo Start bereits gezielt nutzen, um Wörter zu finden. So wird jede noch so kleine Buchstabenkenntnis sofort zu einem Kommunikationswerkzeug.

Scripo Start hat Bilder und Buchstaben.
Es ist für Anfänger.
Man kann mit Bildern sprechen.
Und man lernt dabei die Buchstaben kennen.
Das Alphabet ist direkt im Gerät eingebaut.
Auch wer nur ein oder zwei Buchstaben kennt, kann starten.
Man lernt beim Sprechen ganz nebenbei.

Scripo Pro: Symbol- und Textebene

Scripo Pro baut auf den Grundlagen von Scripo Start auf und bietet ein erweitertes System, das Symbol- und Textebene parallel verfügbar macht. Die Person kann je nach Situation und Kompetenz zwischen symbolbasierter und textbasierter Kommunikation wählen – oder beide Modalitäten kombinieren. Eine Textzeile mit Wortvorhersage, ein umfangreiches ABC-Wörterbuch und die Möglichkeit, frei zu schreiben, erweitern die kommunikativen Möglichkeiten erheblich.

Scripo Pro eignet sich für Personen, die bereits über grundlegende Buchstabenkenntnisse verfügen und ihre Literacy-Fähigkeiten weiter ausbauen möchten. Es bietet die Flexibilität, dass die Person bei bekannten Aussagen die schnellere Symbolebene nutzen kann und bei neuen, individuellen Formulierungen auf die Textebene zurückgreift. Dieses Nebeneinander fördert die weitere Literacy-Entwicklung, ohne die Kommunikationseffizienz zu beeinträchtigen.

Auch Einsteiger profitieren: Der ABC-Bereich in Scripo Pro kann bereits mit minimalen Buchstabenkenntnissen genutzt werden. Wer ein oder zwei Buchstaben kennt, kann gezielt Wörter finden und macht dabei wertvolle Erfahrungen mit Schrift — das ABC-Wörterbuch wird so gleichzeitig zum Kommunikations- und Lernwerkzeug.

Scripo Pro hat viele Wörter und Buchstaben.
Es ist für Fortgeschrittene.
Man kann mit Bildern oder mit Buchstaben sprechen.
Es gibt ein ABC-Wörterbuch mit vielen Wörtern.
Das Gerät schlägt passende Wörter vor.
Man kann auch eigene Sätze schreiben.
So wird man immer besser im Lesen und Schreiben.

Clavis: Eigenständiges Schreiben

Clavis ist ein textbasiertes Vokabular für Personen, die über solide Lese- und Schreibfähigkeiten verfügen. Es verzichtet weitgehend auf Symbole und bietet stattdessen eine leistungsfähige Texteingabe mit intelligenter Wortvorhersage, Autovervollständigung und Textbausteinen. Die Person kommuniziert primär über geschriebenen Text, der von der Sprachausgabe vorgelesen wird.

Clavis eignet sich für Personen, die das alphabetische Prinzip verstanden haben und eigenständig Wörter und Sätze schreiben können. Es bietet die größte kommunikative Freiheit, da die Person jedes beliebige Wort eingeben kann, und unterstützt den Schreibprozess durch technische Hilfsmittel wie Wortvorhersage und Abkürzungsspeicher. Für Menschen, die dieses Niveau erreicht haben, ist Clavis das Werkzeug, das ein wirklich unbegrenztes Kommunikationsspektrum ermöglicht.

Clavis ist nur eine Tastatur.
Es ist für Menschen, die schreiben können.
Man tippt Buchstaben und Wörter.
Das Gerät schlägt Wörter vor.
So geht das Schreiben schneller.
Man braucht keine Bilder mehr.
Man kann alles schreiben, was man will.

Hinweis: SceneTalk

SceneTalk ist kein Grid-Vokabular im Sinne dieser Übersicht, sondern eine szenenbasierte AAC-App: Die Person kommuniziert über fotografierte oder gezeichnete Alltagssituationen, in die Symbole und Sprache eingebettet sind. Ein Literacy-Fokus im Sinne des alphabetischen Prinzips ist in SceneTalk nicht vorgesehen.

SceneTalk kann sinnvoll ergänzend eingesetzt werden — zum Beispiel wenn eine Person mit einem Kernvokabular (Easy, Scripo Start) kommuniziert und SceneTalk für bestimmte Situationen, Themen oder Routinen genutzt wird. Die Wahl des Hauptvokabulars bleibt davon unberührt.

SceneTalk ist eine andere Art von Programm.
Es zeigt Fotos von echten Orten.
Man drückt auf Stellen im Foto und spricht.
SceneTalk kann man zusätzlich nutzen.
Es ersetzt das Hauptvokabular nicht.

Wann wechselt man das Vokabular?

Von Easy zu Scripo Start: Der Wechsel zu Scripo Start bietet sich an, wenn die Person beginnt, Interesse an Buchstaben zu zeigen, wenn sie einzelne Buchstaben erkennt oder wenn das Team entscheidet, das alphabetische Prinzip gezielt zu fördern. Es ist wichtig zu betonen, dass der Wechsel kein Muss ist – Literacy kann auch parallel zu Easy gefördert werden. Scripo Start integriert die Literacy-Förderung jedoch systematisch in die Kommunikationsumgebung.

Von Scripo Start zu Scripo Pro: Der Wechsel zu Scripo Pro ist sinnvoll, wenn die Person grundlegende Buchstabenkenntnisse erworben hat und beginnt, Wörter zu erlesen oder zu schreiben. Scripo Pro bietet die erweiterten Werkzeuge (Textzeile, ABC-Wörterbuch, Wortvorhersage), die für den nächsten Entwicklungsschritt benötigt werden.

Von Scripo Pro zu Clavis: Der Wechsel zu Clavis kommt in Frage, wenn die Person eigenständig Wörter und kurze Sätze schreiben kann und die Symbolebene zunehmend nicht mehr benötigt. Clavis bietet die maximale Flexibilität und Geschwindigkeit für textbasierte Kommunikation.

Wichtig: Jeder Wechsel sollte sorgfältig geplant und begleitet werden. Die Person sollte das neue Vokabular in Ruhe kennenlernen und parallel zum bisherigen System nutzen können, bis sie sich sicher fühlt. Ein zu schneller Wechsel kann verunsichern; ein zu später Wechsel kann die Entwicklung bremsen.

Man kann das Vokabular wechseln.
Wer Buchstaben lernen will, wechselt zu Scripo Start.
Wer schon Buchstaben kennt, wechselt zu Scripo Pro.
Wer gut schreiben kann, wechselt zu Clavis.
Man muss nicht wechseln.
Aber man kann, wenn man bereit ist.
Das Team hilft bei der Entscheidung.

Kein „Entweder-oder"

Die Wahl des Vokabulars ist keine endgültige Entscheidung. Literacy-Fähigkeiten entwickeln sich — und das Vokabular kann mitwachsen:

  • Start mit Easy für erste Kommunikationserfahrungen, dann Wechsel zu Scripo Start wenn Interesse an Buchstaben entsteht.
  • In Scripo Start sammelt die Person Erfahrungen mit dem alphabetischen Prinzip. Auch Teilfähigkeiten (1-2 Buchstaben kennen) reichen für die effektive Nutzung des ABC-Bereichs.
  • Übergang zu Scripo Pro, wenn die Literacy-Fähigkeiten wachsen — mit mehr Wortschatz und komplexeren Strukturen.
  • Ergänzung durch Clavis für Personen, die eigenständig schreiben können.

Wichtig: Auch innerhalb eines Vokabulars nutzt jede Person die Funktionen unterschiedlich. Manche nutzen nur die Symbolebene, andere bereits den ABC-Bereich — beides ist gleichwertig und richtig.

Man kann das Vokabular wechseln, wenn man mehr kann.
Es ist kein Entweder-oder.
Man fängt klein an und wächst mit.
Jeder lernt in seinem eigenen Tempo.
Jeder nutzt das Vokabular so, wie es passt.
Beides ist richtig: Bilder oder Buchstaben.

Vokabular-Finder nutzen

Sie sind sich unsicher, welches Vokabular für Ihre Situation am besten geeignet ist? Unser Vokabular-Finder hilft Ihnen bei der Orientierung. Durch die Beantwortung weniger Fragen zu den Fähigkeiten und Zielen der Person erhalten Sie eine fundierte Empfehlung. Der Vokabular-Finder berücksichtigt dabei sowohl die kommunikativen Bedürfnisse als auch die Literacy-Ziele und zeigt Ihnen, welches Vokabular den besten Ausgangspunkt bietet.

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Das passende Vokabular finden

Die Wahl des richtigen Vokabulars ist eine individuelle Entscheidung. Der Vokabular-Finder führt Sie zum passenden System; für konkrete Fragen können Sie einen Termin über unsere Terminseite buchen.

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