Das Gerät ist da, das Vokabular ist geladen – und jetzt? Was in der Anfangszeit hilft, und was Sie sich sparen können.
Worum es hier geht
Ein Vokabular für Unterstützte Kommunikation (UK) ist kein Programm, das man installiert und das dann funktioniert. Es ist eine Sprache, die erst entsteht, wenn sie benutzt wird – und zwar zuerst von den Menschen drumherum.
Diese Seite beschreibt, was in den ersten Wochen trägt. Sie gilt für alle unsere Vokabulare und für beide Plattformen. Es ist keine Vorschrift und kein Zeitplan – es ist das, was uns in der Praxis immer wieder begegnet.
Sie haben ein neues Vokabular auf dem Gerät.
Hier steht, wie Sie anfangen können.
Sie müssen nichts richtig machen.
Es gibt keinen Zeitplan.
Bevor es losgeht
Etappe 1
Wo das Gerät steht, wenn es nicht benutzt wird
Das ist der praktischste und meistübersehene Punkt. Ein Gerät im Schrank wird nicht benutzt. Ein Gerät, das dort steht, wo geredet wird – am Esstisch, im Wohnzimmer, im Gruppenraum – wird benutzt. Es gehört in Reichweite und in Blickrichtung, auch wenn gerade niemand damit spricht.
Klären Sie gleich zu Beginn: Wer lädt das Gerät? Wer nimmt es mit, wenn es rausgeht? Wer merkt, wenn es liegen bleibt? Das sind keine Nebensächlichkeiten – daran scheitern mehr Versorgungen als an der Technik.
Etappe 1
Wer mitmacht
Kommunikation ist nie eine Einzelleistung. Wenn nur eine Person das Vokabular kennt, funktioniert es auch nur, wenn diese Person da ist. Sagen Sie früh allen Bescheid, die regelmäßig dabei sind – Familie, Assistenz, Schule, Kita, Werkstatt – und zeigen Sie ihnen die Startseite.
Etappe 1: Bevor es los geht
Das Gerät soll dort stehen, wo geredet wird.
Nicht im Schrank.
Klären Sie: Wer lädt das Gerät auf?
Wer nimmt es mit?
Alle Menschen sollen das Gerät kennen.
Nicht nur eine Person.
Die erste Woche: vormachen, nicht abfragen
Etappe 2
Der häufigste Anfängerfehler
Das Gerät wird zum Prüfungsinstrument: „Zeig mir mal, wo ist trinken?“ – „Wo ist die Mama?“ – „Sag es doch mit dem Gerät.“ Gut gemeint, aber es dreht die Sache um. Niemand lernt eine Sprache, indem er abgefragt wird, bevor er sie gehört hat.
Machen Sie es stattdessen vor. Sie sprechen weiter wie immer – und tippen dabei ein, zwei Felder mit. „Ich trinke jetzt Kaffee.“ Dabei trinken antippen. Mehr nicht. Keine Aufforderung, keine Erwartung, keine Reaktion abwarten.
Das fühlt sich am Anfang seltsam an. Es ist trotzdem der wirksamste Teil der ganzen Anfangszeit.
Etappe 2
Eine Situation am Tag reicht
Nicht „den ganzen Tag benutzen“. Suchen Sie eine wiederkehrende Situation, die ohnehin jeden Tag stattfindet: Frühstück, Anziehen, Vorlesen, der Weg zum Bus. Dort machen Sie vor. Immer dieselbe Situation, immer die gleichen paar Wörter.
Wiederholung ist hier keine Langeweile, sondern die Methode. Erst wenn eine Situation sitzt, kommt die nächste dazu.
Etappe 2
Warten können
Nach einer Frage oder einem Angebot: schweigen. Länger, als sich richtig anfühlt – oft zehn Sekunden und mehr. Wer ein Gerät bedient, braucht Zeit zum Suchen, Zielen und Auslösen. Wird die Pause zu früh gefüllt, entsteht nie ein Beitrag.
Etappe 2: Die erste Woche
Fragen Sie nicht ab.
Sagen Sie nicht: Zeig mir das Wort.
Machen Sie es lieber selbst vor.
Sie reden ganz normal.
Und tippen dabei ein Wort mit.
Nehmen Sie eine Situation am Tag.
Zum Beispiel das Frühstück.
Immer die gleiche Situation.
Und warten Sie lange genug.
Bedienen braucht Zeit.
Was normal ist
Vieles, was sich nach Scheitern anfühlt, gehört dazu:
Wochenlang dieselben paar Felder. Das ist kein Stillstand, sondern Festigung. Wortschatz wächst in Schrittfolgen, nicht gleichmäßig.
Ablehnung. Das Gerät wird weggeschoben. Meist heißt das nicht „nie wieder“, sondern „jetzt nicht“ – und das ist eine Mitteilung, keine Verweigerung.
Ausprobieren ohne Sinn. Felder werden wahllos ausgelöst. Auch das ist Spracherwerb: erst herausfinden, dass etwas passiert; dann, was passiert.
Pausen. Tage oder Wochen ohne Nutzung. Das Gerät bleibt trotzdem stehen, wo es steht.
Es geht nur mit einer Person. Ein Zeichen dafür, dass zu wenige mitmachen – nicht dafür, dass es nicht klappt.
Manches sieht aus wie ein Problem.
Ist aber normal:
Immer die gleichen Felder – das ist gut.
Das Gerät wird weg geschoben – das heißt: jetzt nicht.
Es passiert lange nichts – das kommt vor.
Es klappt nur mit einer Person – dann machen zu wenige mit.
Wenn es läuft
Etappe 3
Erst benutzen, dann ändern
Die Versuchung ist groß, sofort umzuräumen: Felder verschieben, Farben ändern, Wörter ergänzen. Warten Sie damit. Ein Vokabular ist so aufgebaut, dass Wörter ihren festen Platz behalten – genau das macht sie auffindbar. Wer früh umsortiert, nimmt diesen Halt weg.
Was fast immer sinnvoll ist: Namen und persönliche Wörter ergänzen – die eigene Familie, das Haustier, der Lieblingsverein, die Schule. Wie das geht, steht in den Anleitungen und ausführlich im Handbuch Ihres Vokabulars.
Was Ihnen sonst noch fehlt, muss nicht sofort ins Gerät – schreiben Sie es auf und ergänzen Sie es später gesammelt. Dafür gibt es unten das Notizheft zum Ausdrucken.
Etappe 3
Woran Sie merken, dass es trägt
Nicht an der Zahl der Wörter. Sondern daran, dass etwas Unerwartetes kommt: ein Widerspruch, ein Witz, eine Frage, ein Themenwechsel. Das ist der Punkt, an dem das Gerät aufhört, ein Übungsmittel zu sein, und anfängt, eine Stimme zu sein.
Etappe 3: Wenn es läuft
Ändern Sie am Anfang wenig.
Die Wörter sollen ihren Platz behalten.
Dann findet man sie wieder.
Gut ist: Namen ergänzen.
Zum Beispiel von der Familie.
Sie merken es klappt, wenn etwas Neues kommt.
Zum Beispiel ein Witz.
Oder eine eigene Frage.
Zwei Blickwinkel
Der Kern ist für alle gleich. Zwei Dinge unterscheiden sich aber je nachdem, wer Sie sind:
Wenn Sie zur Familie gehören
Sie haben Zeit – Jahre. Niemand muss in vier Wochen etwas erreichen.
Sie dürfen das Gerät auch für sich benutzen. Damit nehmen Sie ihm den Prüfungscharakter.
Holen Sie Geschwister dazu. Kinder machen ganz selbstverständlich vor, was Erwachsene sich abgewöhnen müssen.
Erzählen Sie es der Schule oder Kita, bevor dort jemand fragt.
Wenn Sie in der Assistenz arbeiten
Sie wechseln – das Vokabular bleibt. Schreiben Sie auf, was Sie herausfinden, und geben Sie es weiter.
Vermeiden Sie es, stellvertretend zu sprechen, wenn eine Antwort dauert. Warten gehört zur Aufgabe.
Auch Dienstübergaben sind Kommunikationsanlässe – mit Gerät, nicht über den Kopf hinweg.
Wenn im Team unterschiedlich gearbeitet wird, klären Sie es im Team, nicht am Menschen.
Für Familien:
Sie haben viel Zeit.
Nehmen Sie auch Geschwister dazu.
Sagen Sie es der Schule.
Für Assistenz-Kräfte:
Schreiben Sie auf, was Sie lernen.
Geben Sie es an das Team weiter.
Reden Sie nicht für die Person.
Warten Sie lieber.
Merkblatt zum Ausdrucken
Ein Blatt für die Gerätetasche oder den Kühlschrank – das Wichtigste auf einer Seite, auch für alle, die nur gelegentlich dabei sind.
Die ersten Wochen mit dem Vokabular
Das Wichtigste auf einer Seite
Das Gerät steht dort, wo geredet wird. In Reichweite und in Blickrichtung – auch wenn es gerade niemand benutzt.
Vormachen statt abfragen. Reden Sie wie immer und tippen Sie ein bis zwei Felder mit. Kein „Zeig mir mal…“.
Eine Situation am Tag. Immer dieselbe, immer die gleichen paar Wörter. Wiederholung ist die Methode.
Warten. Nach einer Frage schweigen – länger, als sich richtig anfühlt. Zehn Sekunden sind normal.
Am Anfang nichts umräumen. Wörter behalten ihren Platz, das macht sie auffindbar. Namen ergänzen ist trotzdem gut.
Alle machen mit. Wenn es nur mit einer Person geht, machen zu wenige mit – nicht: es klappt nicht.
Weggeschoben heißt „jetzt nicht“. Das ist eine Mitteilung, keine Verweigerung.
Ausführlich: assistuk.net/hilfe/erste-wochen/ · Fragen beantworten wir kostenlos: lars.tiedemann@assistuk.net
Es gibt ein Blatt zum Ausdrucken.
Darauf steht das Wichtigste.
Sie können es an den Kühlschrank hängen.
Notizheft: Wörter, die gefehlt haben
Dass ein Wort fehlt, merkt man mitten im Gespräch – also genau dann, wenn keine Zeit ist, das Vokabular umzubauen. Und bis zum Abend ist es vergessen. Deshalb dieses zweite Blatt: aufschreiben, weiterreden, später gesammelt ergänzen.
Das passt zu dem, was oben unter Erst benutzen, dann ändern steht: Nicht jedes fehlende Wort muss sofort ins Gerät. Nach ein paar Wochen sehen Sie an der Liste, welche Wörter wirklich immer wieder gebraucht werden – und welche nur einmal. Ergänzt wird dann in einem Rutsch, mit den Anleitungen oder dem Handbuch daneben.
Praktisch ist ein Blatt pro Ort: eines in der Gerätetasche, eines in der Schule, eines im Dienstzimmer. Wer wechselt, trägt trotzdem alles zusammen.
Wörter, die gefehlt haben
Aufschreiben · weiterreden · später ergänzen
Nr.
Wort oder Satz
Wobei es gefehlt hat
Drin
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
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Ergänzen geht am Gerät selbst: assistuk.net/lernen/ · Wenn Sie nicht weiterkommen, fragen Sie uns – kostenlos: lars.tiedemann@assistuk.net
Manchmal fehlt ein Wort.
Sie merken das beim Reden.
Dann ist keine Zeit zum Ändern.
Schreiben Sie das Wort auf.
Dazu gibt es ein Blatt zum Ausdrucken.
Später tragen Sie alle Wörter zusammen ein.
Nicht jedes Wort muss ins Gerät.
Wichtig sind die Wörter, die oft fehlen.
Wie es weitergeht
Wenn Sie an einer Stelle weiterkommen wollen:
PartnerTo – unsere kostenlose Übung für Gesprächspartner. Acht Bausteine zu genau den Dingen, um die es oben geht: vormachen, warten, offen fragen.
Und wenn etwas unklar bleibt: Schreiben Sie uns. Fragen zur Bedienung beantworten wir kostenlos.
Sie wollen mehr wissen?
PartnerTo ist eine Übung für Gesprächs-Partner.
Das Handbuch erklärt Ihr Vokabular.
Bei Fragen schreiben Sie uns.
Das kostet kein Geld.
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