Wie bin ich ein guter Gesprächspartner?
Ob Unterstützte Kommunikation im Alltag gelingt, hängt stark von den Gesprächspartnern ab. Die gute Nachricht: Das kann man lernen.
Worauf es ankommt
Ein Sprachcomputer allein macht noch kein Gespräch. Ob Unterstützte Kommunikation im Alltag gelingt, hängt stark vom Verhalten der Gesprächspartner ab – also von uns allen: Familie, Freunde, Fachkräfte, Kolleginnen und Kollegen. Wir sind die Türöffner.
Die gute Nachricht: Gute Gesprächspartnerin oder guter Gesprächspartner zu werden ist lernbar – keine Charakterfrage. Wenige, klare Verhaltensweisen machen den Unterschied. Studien zeigen, dass ein Training der Gesprächspartner die Kommunikation der Person, die Unterstützte Kommunikation nutzt, häufig messbar verbessert.
Und ganz wichtig: Die Aussage gehört der Person. Kommunikation ist ein Recht – was jemand sagt, entscheidet die Person selbst.
Reden klappt nur zusammen.
Die Gesprächspartner sind sehr wichtig.
Das sind wir alle: Familie, Freunde, Fachleute.
Man kann lernen, ein guter Partner zu sein.
Das ist nicht schwer.
Und: Was die Person sagt, entscheidet die Person.
Die acht Bausteine
1. Zutrauen
Der Person etwas zutrauen: Sie versteht und will sich mitteilen.
Sprechen Sie die Person direkt an – nicht über sie.
2. Warten
Zeit lassen, die Stille nicht füllen. Die erwartungsvolle Pause ist der Kern.
Innerlich bis zehn zählen – und freundlich erwartungsvoll schauen.
3. Vormachen
Das Kommunikationsmittel selbst benutzen: Symbole zeigen, mittippen (Modellieren).
Beim Sprechen selbst auf die Symbole tippen – ohne Testabsicht.
4. Gut fragen
Offene Fragen statt Testfragen. Ja/Nein-Fragen nur bewusst und strukturiert.
„Was möchtest du spielen?“ statt „Wo ist der Ball? Zeig mal!“
5. Aufgreifen
Die Äußerung bestätigen und um ein Wort erweitern (Expansion).
Kind: „Auto“ – Sie: „Ja, ein rotes Auto!“
6. Wenig helfen
Nur so viel Hilfe wie nötig – nicht vorsagen, nicht ungefragt raten (gestufte Hilfen).
Erst abwarten, dann kleiner Hinweis – die Lösung gehört der Person.
7. Zusammen bauen
Äußerungen gemeinsam Wort für Wort aufbauen – die Person entscheidet (Ko-Konstruktion).
„Ich habe ‚trinken‘ gesehen – was noch?“
8. Dranbleiben
Üben und wiederholen – gute Gewohnheiten verblassen ohne Auffrischung.
Alle paar Wochen kurz auffrischen – zum Beispiel mit PartnerTo.
Acht Dinge machen einen guten Gesprächspartner:
1. Vertrauen Sie der Person.
2. Warten Sie. Lassen Sie Zeit.
3. Machen Sie es selbst vor. Tippen Sie mit.
4. Stellen Sie echte Fragen.
5. Nehmen Sie die Antwort auf. Sagen Sie ein Wort mehr.
6. Helfen Sie nur wenig. Sagen Sie nichts vor.
7. Bauen Sie Sätze zusammen. Die Person entscheidet.
8. Üben Sie immer wieder.
So nicht – so besser
So nicht: die Stille füllen
„Was möchtest du? … Möchtest du trinken? Oder essen? Bestimmt trinken, oder?“ (nach zwei Sekunden)
Besser: warten
„Was möchtest du?“ – dann schweigen, freundlich schauen, innerlich bis zehn zählen. Die Antwort braucht Zeit – und sie kommt oft.
So nicht: Testfragen stellen
„Wo ist der Ball? Zeig mal den Ball!“ – die Antwort ist bekannt, das Gespräch ist ein Test.
Besser: echte Fragen stellen
„Was möchtest du spielen?“ – eine Frage, deren Antwort Sie wirklich nicht kennen. Die Antwort verändert, was passiert.
So nicht: vorsagen und raten
„Du meinst bestimmt Durst! Ich hole dir was zu trinken.“ – die Aussage wird der Person weggenommen.
Besser: zusammen bauen
„Ich habe ‚trinken‘ gesehen – was noch?“ – Wort für Wort gemeinsam, die Person behält das letzte Wort.
Nicht gut: Sofort weiterreden.
Besser: Warten. Die Antwort braucht Zeit.
Nicht gut: Fragen, deren Antwort man schon weiß.
Besser: Echte Fragen stellen.
Nicht gut: Für die Person sprechen.
Besser: Zusammen den Satz bauen.
Die Person hat das letzte Wort.
Eine gute Umgebung für Unterstützte Kommunikation
Gute Gespräche brauchen auch eine gute Umgebung. Diese Punkte helfen – zu Hause, in der Schule, in der Einrichtung und in der Praxis:
- Das Kommunikationsmittel ist immer da – erreichbar, geladen, montiert. Ein Sprachcomputer im Schrank kann nicht sprechen.
- Auf Augenhöhe – Sitzposition und Blickkontakt so, dass ein echtes Gegenüber entsteht.
- Zeit ohne Druck – Gesprächsanlässe, in denen niemand auf die Uhr schaut.
- Alle machen mit – nicht nur eine Bezugsperson: Je mehr Menschen die Bausteine kennen, desto mehr echte Gespräche entstehen.
- Qualifizierte Assistenz – eine Assistenz, die die Kommunikation der Person versteht, anderen Menschen bei der Verständigung hilft, die Person beim Verstehen unterstützt, Lernen ermöglicht und Teilhabe-Aktivitäten und Selbstbestimmung umsetzt. Sie ist oft der Schlüssel dafür, dass all das im Alltag wirklich stattfindet – mehr dazu auf der Seite Assistenz.
- Symbole sichtbar im Alltag – Kernwörter an der Wand, Symbole bei Aktivitäten: So wird Kommunikation Teil der Umgebung.
- Echte Anlässe – Wahlmöglichkeiten bei Essen, Kleidung, Freizeit. Wo es nichts zu entscheiden gibt, gibt es wenig zu sagen.
Auch die Umgebung ist wichtig:
Das Gerät ist immer dabei.
Und immer aufgeladen.
Man spricht auf Augen-Höhe.
Es gibt genug Zeit.
Alle Menschen machen mit.
Es gibt echte Auswahl. Zum Beispiel beim Essen.
Sehr wichtig ist gute Assistenz.
Die Assistenz versteht, wie die Person spricht.
Die Assistenz hilft anderen Menschen beim Verstehen.
Die Assistenz hilft der Person beim Verstehen.
Die Assistenz hilft beim Lernen.
Die Assistenz macht Teilhabe und Selbstbestimmung möglich.
Mit PartnerTo üben
Die kostenlose Web-App PartnerTo bringt Ihnen die acht Bausteine in kleinen Schritten bei – mit Übungen, Beispielen und Selbst-Check. Kostenlos, offline nutzbar, barrierefrei. Für Familien, Teams und alle, die im Alltag Gesprächspartner sind.
PartnerTo ist ein kostenloses Programm.
Damit kann man das Üben.
In kleinen Schritten.
Für Familien und Fachleute.
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Die am besten belegte Strategie im Gespräch – auf dem Gerät mitzeigen, während man spricht – hat einen eigenen Grundlagentext mit Evidenz, Einstieg und typischen Fehlern: „Zeigen, was man sagt“ (PDF). Weitere Texte unter Downloads → Grundlagentexte.
Es gibt einen längeren Text zum Herunterladen.
Er erklärt das Zeigen auf dem Gerät.