Verbale Entwicklungsdyspraxie & Unterstützte Kommunikation
Das Kind weiß, was es sagen will – der Mund findet den Weg nicht.
Worum es geht
Bei einer verbalen Entwicklungsdyspraxie (auch Sprechapraxie) ist nicht die Sprache gestört, sondern die Planung der Sprechbewegungen. Das Kind weiß, welches Wort es sagen will. Der Weg vom Wort zur Bewegungsfolge von Lippen, Zunge und Kiefer gelingt aber nicht zuverlässig.
Das typische Merkmal ist die Schwankung. Dasselbe Wort klingt heute richtig und morgen anders. Was spontan herausrutscht, gelingt auf Aufforderung nicht. Genau diese Inkonsistenz führt oft zu Missverständnissen – als wäre es eine Frage von Anstrengung oder Wollen. Sie ist es nicht.
Druck macht es schlechter. Je mehr Aufforderung, Blicke und Erwartung im Raum stehen, desto schwerer wird die Bewegungsplanung. „Sag es nochmal richtig“ ist gut gemeint und wirkt gegen das Kind.
Manche Kinder wissen genau,
was sie sagen wollen.
Aber der Mund macht nicht mit.
Mal klappt ein Wort. Mal nicht.
Das ist normal bei dieser Schwierigkeit.
Das Kind ist nicht faul.
Wichtig:
Sagen Sie nicht: Sag das nochmal richtig.
Bei Druck wird es schwerer.
Unterstützte Kommunikation bremst das Sprechen nicht
Die Sorge ist verständlich und weit verbreitet: Wenn mein Kind eine Tafel oder ein Gerät bekommt, strengt es sich beim Sprechen nicht mehr an. Die Forschungslage dazu ist eindeutig – Unterstützte Kommunikation hemmt die Lautsprache nicht. Sie wirkt in der Regel eher fördernd.
Der Grund liegt nahe: Wer sich mitteilen kann, kommuniziert mehr. Wer mehr kommuniziert, übt mehr – auch das Sprechen. Und wer den Druck loswird, jedes Wort perfekt produzieren zu müssen, traut sich eher.
Unterstützte Kommunikation ist hier ausdrücklich eine Brücke, kein Endpunkt. Viele Kinder nutzen sie in Phasen stärker und später weniger – genau so ist sie gedacht.
Viele Eltern haben Angst:
Mein Kind gibt das Sprechen auf,
wenn es eine Tafel bekommt.
Das stimmt nicht.
Die Forschung sagt: Es hilft sogar.
Denn: Wer sich mitteilen kann,
macht das auch mehr.
Und übt dabei das Sprechen.
Was im Alltag hilft
Zwei Wege gleichzeitig anbieten. Sprechen und zeigen dürfen nebeneinander stehen. Das Kind entscheidet je nach Tag, Situation und Kraft, welchen es nutzt.
Auf Inhalt reagieren, nicht auf Aussprache. Wenn ein Wort verstanden wurde, war es erfolgreich. Korrigieren Sie nicht, sondern wiederholen Sie beiläufig richtig („Ja, ein Traktor!“) und machen Sie weiter.
Schrift ist oft ein starker Verbündeter. Wenn das Sprechen unzuverlässig ist, kann der erste Buchstabe ein Wort retten – für das Gegenüber und für die Vorhersage auf einem Gerät.
Verlässliche Ausweichwege verabreden. Was tun, wenn ein Wort dreimal nicht ankommt? Ein vereinbartes Vorgehen (zeigen, buchstabieren, Thema nennen) nimmt beiden Seiten die Anspannung.
Beides ist erlaubt.
Sprechen und zeigen.
Das Kind darf wählen.
Achten Sie auf den Inhalt.
Nicht auf die richtige Aussprache.
Verbessern Sie das Kind nicht ständig.
Buchstaben helfen.
Der erste Buchstabe reicht oft schon.
Machen Sie einen Plan.
Was tun, wenn ein Wort nicht ankommt?
Was oft passt
Vokabulare & Seitensets (Grid):
- Scripo Start – Kommunikation und erste Schrift.
- Scripo Pro – Symbol und Schrift, wächst mit.
- Clavis – Tastatur mit Wortvorhersage für Schreibende.
Kostenlos ausprobieren:
Das kann gut passen:
Zum Anfangen: Scripo Start.
Zum Mitwachsen: Scripo Pro.
Zum Schreiben: Clavis.
Zum Ausprobieren:
Die App AssistWrite zum Schreiben.
Zum Weiterlesen
- dbl – Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V. – Therapeut:innen-Suche und Fachinformationen.
- Apraxia Kids – umfangreiche englischsprachige Materialsammlung speziell zur verbalen Entwicklungsdyspraxie.
- Der wichtigste Satz für den Alltag: Druck macht das Sprechen schwerer, nicht leichter. Unterstützte Kommunikation nimmt den Druck heraus – und stützt damit auch die Lautsprache.
Diese Seite ersetzt keine individuelle Beratung. Fragen zur Versorgung beantworten REHAVISTA oder deren Partnerfirmen, wohnortnahe UK-Beratung vermittelt die GesUK.
Der dbl ist der Verband der Logopädinnen.
Dort finden Sie Fach-Leute.
Wichtig ist:
Machen Sie keinen Druck beim Sprechen.
Druck macht es schwerer.
Was passt für uns?
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