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Schutz, Team und die eigene Rolle

Drei Einheiten zu den heiklen Stellen: Ablehnung und Gewaltschutz, das Wissen über den Schichtwechsel bringen – und die eigene Rolle aushalten.

Worum es geht

Für alle, die Menschen assistieren, die Unterstützte Kommunikation nutzen: Assistenzkräfte, Schulbegleitungen, Pflegekräfte und Angehörige – und für Menschen, die ihre eigene Assistenz anleiten.

Länderbezug: Die Geschichte und die Rechtsangaben in diesem Kurs beziehen sich auf Deutschland. In anderen Ländern gelten andere Gesetze und andere Wege.

Jede der 3 Einheiten hat denselben Aufbau: erst das Wissen, dann eine Übung am eigenen Gerät, dann eine Frage zum Nachdenken. Die Frage wird nicht benotet und lässt sich beliebig oft wiederholen – sie soll zeigen, ob etwas angekommen ist, nicht, wer den Kurs macht.

Etwa anderthalb Stunden, aufteilbar – die Übungen laufen über mehrere Tage. Es gibt keine Anmeldung und kein Konto. Der Stand steht ausschließlich in diesem Browser; er verschwindet, wenn Sie die Browserdaten löschen, und wandert nicht auf ein anderes Gerät.

Am Ende können Sie eine Teilnahmebestätigung ausdrucken. Sie hält fest, welche Lerneinheiten Sie bearbeitet haben.

Alles hier steht auch ohne Kurs offen: die Seite über Assistenz, der Kurs Ein guter Gesprächspartner werden und die Themen mit Video.

Das ist ein Kurs über Schutz und Team.
Ein Mensch muss Nein sagen können.
Alle im Team müssen die Zeichen kennen.
Und: Wie geht es Ihnen selbst dabei?
Die Gesetze in dem Kurs gelten in Deutschland.
In anderen Ländern gelten andere Gesetze.
Der Kurs hat 3 Einheiten.
In jeder Einheit gibt es: Wissen, eine Übung und eine Frage.
Die Frage wird nicht benotet.
Sie brauchen kein Konto. Sie müssen sich nicht anmelden.
Am Ende können Sie ein Blatt Papier ausdrucken.
Darauf steht: Das habe ich gelernt.
Das Blatt ist kein Zeugnis.

Ihr Fortschritt: 0/3 Einheiten erledigt

Nein, Verhalten, Schutz

Nein sagen zu können ist keine Frage der Höflichkeit, sondern eine Schutzfunktion. Ein Vokabular ohne Ablehnung ist gefährlich: Wer nur „mehr“, „nochmal“ und „gut“ zur Verfügung hat, kann bestellen, aber nicht widersprechen — und wer nicht widersprechen kann, ist ungeschützt. Gemeint ist damit nichts Dramatisches, sondern etwas sehr Alltägliches: nicht sagen können, dass etwas weh tut, dass dieses Essen nicht gewollt ist, dass diese Person heute zu nah kommt. In Deutschland verlangt § 8 SGB IX, dass berechtigten Wünschen der Person entsprochen wird. Ein Wunsch, der nicht geäußert werden kann, läuft dabei leer.

Ablehnung muss in jeder Form vorhanden sein, die diese Person nutzt: am Gerät, auf Papier und körpereigen. Am Gerät heißt: auf der ersten Ebene, nicht drei Seiten tief. Auf Papier heißt: auf jeder Tafel, nicht nur auf der einen im Wohnzimmer. Körpereigen heißt: ein Zeichen, das auch dann geht, wenn nichts in Reichweite ist. Denn die Momente, in denen eine Ablehnung am dringendsten gebraucht wird, sind selten die, in denen alles griffbereit liegt.

Und Ablehnung muss ernst genommen werden — auch wenn sie unpassend kommt, auch wenn sie den Ablauf sprengt, auch wenn Sie den Grund nicht verstehen. Ein Nein, das ignoriert wird, ist schlimmer als gar keins: Es lehrt, dass Widerspruch nichts bringt. Wer das ein paar Monate lang lernt, hört auf zu widersprechen, und das sieht am Ende aus wie Zufriedenheit. Es gibt Situationen, in denen ein Nein nicht sofort umgesetzt werden kann. Dann sagen Sie genau das: dass Sie es gehört haben, was gerade passiert und wann Sie aufhören. Was nicht geht, ist weiterzumachen, als sei nichts gesagt worden.

Verhalten ist eine Mitteilung — daraus folgt aber nicht, dass Sie wissen, was es bedeutet. Der Unterschied liegt zwischen einer Hypothese und einer Feststellung. „Vielleicht heißt das, dass es ihr zu laut ist“ ist eine Hypothese: Sie lässt sich prüfen, sie kann sich als falsch herausstellen, sie bleibt bei der Person. „Er macht das, um Aufmerksamkeit zu bekommen“ ist dagegen eine Feststellung über ein Innenleben, zu dem niemand Zugang hat. Der Satz „Er will nur Aufmerksamkeit“ ist deshalb methodisch falsch — nicht unhöflich, sondern falsch: Er ist nicht überprüfbar, er passt auf jedes Verhalten gleich gut, und das kleine Wort „nur“ erklärt nebenbei ein ganz normales Bedürfnis nach Zuwendung für unzulässig.

Manchmal weist Verhalten auf ein fehlendes Wort hin. Die Prüffrage dafür ist konkret: Könnte diese Person das, was sie gerade zeigt, mit den Mitteln sagen, die sie in diesem Moment zur Verfügung hat? Lautet die Antwort nein, dann fehlt ein Wort — und dann besorgt man das Wort, statt das Verhalten zu bearbeiten. Deeskalation heißt in diesem Fall: Tempo raus, Reiz weg, Angebot statt Anweisung — und danach die Frage, was gemeint war. Wer nur beruhigt, hat das Gespräch beendet, nicht geführt.

Menschen, die auf enge körperliche Unterstützung angewiesen sind und sich schwer mitteilen können, sind häufiger von Übergriffen betroffen als andere. Das ist kein Verdacht gegen Kolleginnen und Kollegen, sondern eine Folge der Lage: viel Nähe, große Abhängigkeit, wenige Zeugen, selten ein eigener Beschwerdeweg. Daraus folgt eine Regel: Ein Beschwerdeweg darf nicht über die Person laufen, über die man sich beschwert. Wenn eine Beschwerde nur ankommt, indem die Assistenz sie weitergibt, gibt es keinen. Anzeichen, bei denen Sie handeln müssen, sind unspektakulär: Verletzungen, die niemand erklären kann; Angst vor bestimmten Personen, Räumen oder Zeiten; plötzlicher Rückzug; ein Nein, das nur bei einer bestimmten Schicht kommt. Handeln heißt zuerst aufschreiben — was Sie beobachtet haben, wann, in welcher Situation, beobachtet und nicht gedeutet — und die Notiz an die dafür festgelegte Stelle geben; ist diese Stelle selbst betroffen, an die nächsthöhere oder an eine außerhalb.

Nein sagen ist nicht unhöflich.
Nein sagen schützt die Person.
Prüfen Sie: Kann die Person nein sagen?
Sie braucht dafür jeden Weg: am Gerät, auf Papier und ohne Hilfsmittel.
Bei einem Nein hören Sie sofort auf.

Verhalten ist auch Sprache.
Ein Mensch schreit oder wirft etwas weg.
Dann will er oft etwas sagen.
Sagen Sie: Vielleicht meint sie das.
Sagen Sie nicht: Sie will nur Aufmerksamkeit.
Oft fehlt einfach ein Wort.
Dann besorgen Sie das Wort.
Die Person braucht auch einen Weg für Beschwerden.

Die Übung: Nein prüfen

Prüfen Sie heute, ob diese Person in jeder ihrer Kommunikationsformen ablehnen kann. Nicht im Kopf, sondern in echt: Sie bieten etwas an, das sie erkennbar nicht will.

  1. Schreiben Sie auf, welche Wege die Person hat: das Gerät, die Tafeln, körpereigene Zeichen, Blick, Laut.
  2. Suchen Sie in jedem dieser Wege die Ablehnung: Wo steht „nein“? Wo steht „aufhören“? Wie viele Schritte sind es bis dahin?
  3. Bieten Sie nun etwas an, von dem Sie sicher wissen, dass die Person es nicht mag — harmlos und alltäglich, zum Beispiel den falschen Becher, den falschen Sender, den falschen Pullover. Es geht nicht darum, sie vorzuführen.
  4. Warten Sie und beobachten Sie: Nimmt sie einen der Wege? Welchen? Wie lange braucht sie?
  5. Nehmen Sie die Ablehnung sofort an. Stellen Sie weg, was Sie angeboten haben, und sagen Sie ausdrücklich, dass Sie es verstanden haben.
  6. Notieren Sie, wo eine Ablehnung fehlt oder zu weit weg liegt: auf welcher Tafel, an welcher Stelle im Gerät. Geben Sie das an die Person weiter, die das Vokabular pflegt, und bringen Sie es in die nächste Übergabe.
  7. Wenn dafür etwas am Gerät geändert werden muss und das im Team niemand kann, sind REHAVISTA und deren Partnerfirmen die Anlaufstelle.

Machen Sie heute eine Probe.
Bieten Sie der Person etwas an.
Nehmen Sie etwas, das sie nicht mag.
Zum Beispiel den falschen Becher.
Warten Sie in Ruhe ab.
Schauen Sie: Wie sagt die Person nein?
Nehmen Sie das Nein sofort an.
Stellen Sie den Becher weg.
Vielleicht fehlt ein Weg für nein.
Schreiben Sie das auf und sagen Sie es im Team.

Die Übung: Der Beschwerdeweg auf einem Blatt

Am Ende der Woche gibt es ein Blatt, auf dem steht, wie sich genau diese Person beschweren kann: bei wem, in welcher Form und ohne dass die Assistenz dabei übersetzt.

  1. Schreiben Sie oben auf ein Blatt die Frage: Wie kann sich diese Person beschweren?
  2. Tragen Sie ein: bei wem — mit Namen und Funktion. Eine Stelle innerhalb des Dienstes oder der Einrichtung und eine außerhalb.
  3. Tragen Sie ein: in welcher Form — mit welchen Wörtern, Zeichen, Symbolen oder Nachrichten kann sie eine Beschwerde überhaupt äußern?
  4. Tragen Sie ein: auf welchem Weg — wie erreicht eine Beschwerde diese Stelle, ohne dass die Assistenz sie weitergeben muss?
  5. Tragen Sie ein: was danach passiert — wer meldet sich zurück, in welcher Zeit, in welcher Form?
  6. Wenn Sie eine Zeile nicht ausfüllen können, lassen Sie sie leer. Die leere Zeile ist das Ergebnis dieser Übung, nicht ihr Scheitern.
  7. Bringen Sie das Blatt in die nächste Teambesprechung. Nicht als Vorwurf, sondern als Frage: Wie füllen wir die Lücke?
  8. Wenn Ihnen dabei ein konkreter Verdacht begegnet, gehört er nicht auf dieses Blatt, sondern sofort an die dafür festgelegte Stelle.

Nehmen Sie ein Blatt Papier.
Schreiben Sie oben eine Frage hin.
Die Frage heißt: Wie kann sich die Person beschweren?
Schreiben Sie darunter: bei wem.
Schreiben Sie darunter: mit welchen Wörtern.
Schreiben Sie darunter: auf welchem Weg.
Der Weg darf nicht über die Assistenz gehen.
Vielleicht bleibt eine Zeile leer.
Das ist ein wichtiges Ergebnis.
Nehmen Sie das Blatt mit ins Team.

Zum Nachdenken: Ein Vokabular enthält „mehr“, „nochmal“ und „gut“, aber kein „nein“ und kein „aufhören“. Was folgt daraus?

Wissen, das die Tür überlebt

Kommunikationswissen hängt an Personen. Wer die Zeichen eines Menschen kennt — den kurzen Blick nach oben, das Wort, das immer anders gemeint ist, als es klingt —, der kennt sie eben; und geht um 22 Uhr nach Hause. Was nicht weitergegeben wird, ist am nächsten Morgen weg. Dann beginnt jede Schicht wieder bei null, und die Person erlebt mehrmals am Tag, dass ihre Verständigung vom Dienstplan abhängt. Das ist kein Kommunikationsproblem der Person. Es ist ein Organisationsproblem des Teams.

Dagegen hilft ein Kommunikationspass: eine einzige Seite, die man in zwei Minuten liest. Sechs Punkte tragen ihn, alle in der Ich-Form: So sage ich ja. So sage ich nein. Das verstehe ich sicher. Das verstehen andere oft falsch. So lange brauche ich. Das hilft mir. Der vierte Punkt ist der wichtigste und wird am häufigsten vergessen — er verhindert genau die Missverständnisse, die sich sonst mit jeder neuen Schicht wiederholen. Kürzer ist besser: Was auf zwei Seiten steht, liest im Frühdienst niemand.

Nicht hinein gehören Diagnosen, Bewertungen und alles, was die Person nicht selbst gesagt oder gezeigt hat. „Wirkt heute abweisend“ ist eine Deutung, kein Zeichen. Und der Pass gehört der Person, nicht dem Dienst: Sie entscheidet, was darin steht, wer ihn liest und was wieder herauskommt. Wechselt der Anbieter, geht der Pass mit ihr — nicht in den Aktenschrank.

In der Übergabe fällt der kommunikative Teil als Erstes aus. Medikamente, Termine und Vorfälle stehen auf dem Bogen, die Verständigung nicht — also wird sie erzählt, wenn Zeit ist, und Zeit ist selten. Es hilft nur, sie zu verankern: ein fester Punkt auf dem Übergabebogen, eine Zeile, jede Schicht. Bei einer neuen Kollegin gehört ein Minimum schon in die allererste Schicht: wie diese Person Ja und Nein zeigt, wie das Gerät eingeschaltet und positioniert wird, wie lange eine Antwort dauert — und dass Warten dazugehört. Alles andere kann später kommen.

Der folgenreichste Streit im Team dreht sich um eine einzige Frage: „Versteht sie das wirklich?“ Die eine Hälfte spricht mit der Person wie mit einer Erwachsenen, die andere hält das für gut gemeint, aber übertrieben — und die Person bekommt je nach Dienstplan ein anderes Gegenüber. Nele Diercks, die selbst rund um die Uhr Assistenz nutzt, schreibt dazu: „Wenn man mich für dumm hält oder wie ein Kind behandelt. Ich bin erwachsen und verstehe, worum es geht – ich brauche nur einen anderen Weg, um zu antworten.“ Solche Fragen entscheidet man nicht per Mehrheit, sondern nach dem Grundsatz der geringsten gefährlichen Annahme: Wenn zwei Annahmen möglich sind und keine bewiesen werden kann, wählt man die, deren Irrtum weniger Schaden anrichtet. Wer zu viel zutraut und sich irrt, hat zu ausführlich erklärt; wer zu wenig zutraut und sich irrt, hat einem erwachsenen Menschen jahrelang Informationen und Entscheidungen vorenthalten. Halten Sie das Ergebnis als Vereinbarung fest, sonst wird es in jeder Schicht neu verhandelt.

Was allen gehört, pflegt niemand. Für das Vokabular braucht es deshalb eine benannte Zuständigkeit: ein Name im Team, eine Vertretung, feste Zeit dafür — neue Wörter einpflegen, Seiten aufräumen, die Papierfassung nachziehen, eine Sicherung machen. Was am Gerät selbst hängt, etwa eine Reparatur oder eine neue Erprobung, klärt REHAVISTA und deren Partnerfirmen; unabhängige Beratung gibt es bei der EUTB. Und die Dokumentation gehört der Person: Sie wird mit ihr geführt, nicht über sie. Wo Sätze über einen Menschen geschrieben werden, die er nie zu lesen bekommt, entsteht ein zweites Bild von ihm, an dem er nicht mitschreiben darf.

Sie kennen die Zeichen der Person.
Ihre Kollegin in der Nachtschicht kennt sie vielleicht nicht.
Dann fängt die Person am Abend wieder von vorne an.
Das ist ein Problem vom Team.
Es ist kein Problem von der Person.

Schreiben Sie das Wichtigste auf eine Seite.
So sage ich ja.
So sage ich nein.
Das verstehe ich sicher.
So lange brauche ich.
Fragen Sie die Person nach diesen Sätzen.
Die Seite gehört der Person.
Sagen Sie bei jeder Übergabe etwas über die Verständigung.

Die Übung: Übergabe mit Kommunikation

In die nächste Übergabe kommt ein Punkt dazu: die Verständigung. Ein Punkt reicht.

  1. Überlegen Sie kurz vor der Übergabe: Was habe ich heute über die Verständigung gelernt? Ein neues Zeichen, ein Wort, das falsch verstanden wurde, oder eine Beobachtung.
  2. Sagen Sie diesen einen Punkt in der Übergabe laut — auch wenn er klein wirkt und niemand danach fragt.
  3. Schreiben Sie ihn zusätzlich auf den Übergabebogen oder in die Dokumentation. Ein Satz genügt.
  4. Fragen Sie am Folgetag die Kollegin aus der nächsten Schicht, ob der Punkt angekommen ist und ob sie ihn genutzt hat.
  5. Wenn er nicht angekommen ist, liegt das selten an ihr. Prüfen Sie, wo er verloren ging: mündlich überhört, schriftlich nicht gelesen, oder nirgends notiert.

Denken Sie an heute.
Was haben Sie über die Verständigung gelernt?
Sagen Sie das bei der Übergabe.
Schreiben Sie es auch auf.
Fragen Sie morgen nach.
Weiß die nächste Schicht davon?

Die Übung: Kommunikationspass, erste Fassung

Eine Seite, die jede neue Schicht in zwei Minuten lesen kann. Sie entsteht mit der Person, nicht über sie.

  1. Fragen Sie die Person, ob sie das will. Wenn nicht, endet die Übung hier.
  2. Nehmen Sie ein Blatt und schreiben Sie sechs Überschriften darauf: So sage ich ja. So sage ich nein. Das verstehe ich sicher. Das verstehen andere oft falsch. So lange brauche ich. Das hilft mir.
  3. Füllen Sie die Punkte mit der Person aus — in ihren Worten und in der Ich-Form. Sie fragen, sie antwortet; lassen Sie dafür Zeit.
  4. Keine Diagnosen, keine Bewertungen, nichts, was die Person nicht selbst gesagt oder gezeigt hat.
  5. Legen oder hängen Sie die Seite dorthin, wo jede Schicht sie sieht — und wo die Person damit einverstanden ist.
  6. Gehen Sie die Seite nach einer Woche gemeinsam durch: Was stimmt nicht mehr, was fehlt? Korrigieren Sie mit der Person, nicht für sie.

Nehmen Sie ein leeres Blatt.
Schreiben Sie oben drauf: So sage ich ja.
Darunter: So sage ich nein.
Darunter: So lange brauche ich.
Fragen Sie die Person nach den Antworten.
Schreiben Sie ihre Worte auf.
Legen Sie das Blatt gut sichtbar hin.
Schauen Sie nach 7 Tagen zusammen darauf.
Ändern Sie, was nicht mehr stimmt.

Zum Nachdenken: Wem gehört der Kommunikationspass — und warum ist die Antwort wichtig?

Draußen und die eigene Rolle

Im Krankenhaus kippt in wenigen Minuten alles, was zu Hause selbstverständlich war: fremde Räume, wenig Zeit, wechselndes Personal, und Menschen, die die Person zum ersten Mal sehen. Fast automatisch wird dann die Begleitung angesprochen — über das Bett hinweg, in der dritten Person, während die Person danebenliegt und alles mitbekommt. Wer entscheidet, ändert sich dadurch nicht: Das tut die Person selbst, solange nichts anderes rechtlich geregelt ist. Ihre Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass sie überhaupt gefragt werden kann — Gerät mit ins Zimmer, geladen, eingeschaltet, richtig positioniert. Und einmal laut gesagt, dass eine Antwort hier länger dauert.

Dolmetschen und für jemanden sprechen sind zwei verschiedene Tätigkeiten. Dolmetschen heißt: weitergeben, was gesagt wurde — ohne zu ergänzen, ohne zu erklären, ohne zu glätten. Fragt die Ärztin „Hat sie Schmerzen?“, ist die richtige Reaktion nicht zu antworten, sondern die Frage weiterzureichen: „Fragen Sie sie bitte selbst. Ich sage Ihnen, wie ihre Antwort aussieht.“ Das ist unbequem, es dauert länger, und meistens wüssten Sie die Antwort selbst — genau deshalb ist es Arbeit und keine Förmlichkeit. Nele Diercks, die selbst rund um die Uhr Assistenz nutzt, schreibt dazu: „Kein Sprechen an meiner Stelle. Meine Assistenz unterstützt meine eigene Kommunikation und gibt meine Worte treu weiter – sie ersetzt meine Stimme nicht.“

Für den Fall, dass Sie nicht dabei sind, gibt es die Notfallmappe — genauer: eine einzige Seite. Sie muss einem völlig fremden Menschen in fünf Minuten beibringen, wie man dieser Person eine Ja/Nein-Frage stellt: wie ein Ja aussieht, wie ein Nein aussieht, wie lange eine Antwort dauert, und was es bedeutet, wenn kein Zeichen kommt — nämlich nicht: Zustimmung. Dazu gehören der Weg zum Gerät und eine Telefonnummer von jemandem, der die Formen der Person kennt. Entscheidend ist der Ort: Die Seite hilft nur, wenn sie im Notfall gefunden wird — an der Tasche, am Rollstuhl, beim Gerät, nicht im Ordner im Regal. Und wenn doch einmal niemand die Formen kennt, bleibt das Nötigste: eine geschlossene Frage nach der anderen, kurz, ruhig, mit Zeit dazwischen.

Bei Terminen mit Ämtern und Kostenträgern ist die Versuchung am größten, für die Person zu sprechen. Sie kennen die Formulierungen, der Termin ist knapp, und die Sachbearbeitung schaut Sie an. Klären Sie deshalb vorher mit der Person, was sie selbst sagen will, was Sie sagen sollen und was auf keinen Fall gesagt wird. Im Termin gilt dann dasselbe wie in der Klinik: Sie geben weiter, Sie argumentieren nicht an ihrer Stelle. Das Wunsch- und Wahlrecht steht in § 8 SGB IX, und Artikel 21 der UN-Behindertenrechtskonvention schützt die freie Meinungsäußerung ausdrücklich auch dann, wenn sie über Unterstützte Kommunikation läuft.

Diese Arbeit strengt anders an, als sie aussieht. Zurücknehmen ist aktiver als Machen — zwanzig Sekunden nichts zu tun, obwohl Sie helfen könnten, kostet mehr Kraft als helfen, und von außen sieht es aus, als täten Sie nichts. Dazu kommt die Nähe: Sie sind viele Stunden am Tag sehr dicht an einem Leben, ohne dass es Ihres wird. Am schwersten ist es, wenn Sie die Person mögen und sie trotzdem nicht schützen dürfen — vor einer Entscheidung, die Sie für falsch halten, vor einem Abend, der schiefgeht. Auch gegenüber Angehörigen hilft nur Rollenklarheit: freundlich, deutlich und mit der Person abgestimmt. Auftraggeberin ist sie, nicht die Familie, solange sie selbst entscheidet.

Nehmen Sie kollegialen Austausch und Supervision als Arbeitsmittel, nicht als Zusatzangebot. Wer nirgends über die schwierigen Momente sprechen kann, trägt sie in die nächste Schicht — und in der nächsten Schicht sitzt die Person. Zum Schluss das Unbequeme: Wenn Sie die Haltung nicht mehr aufbringen, wenn Sie regelmäßig entscheiden statt zu fragen, wenn Warten Sie nur noch ärgert, wenn Sie die Person nicht mehr als erwachsen ansehen können — dann ist Gehen fachlich richtiger als Bleiben. Das ist kein Scheitern, sondern ein Ergebnis. Sagen Sie es früh genug, dass die Übergabe geordnet läuft, und schreiben Sie vorher auf, was Sie über die Verständigung dieser Person wissen.

Im Krankenhaus kennt niemand die Person.
Die Ärztin fragt dann oft Sie.
Geben Sie die Frage an die Person weiter.
Sagen Sie: Bitte fragen Sie sie selbst.
Sagen Sie danach nur die Antwort von der Person.
Erklären Sie nichts dazu.

Machen Sie vorher eine Seite für den Notfall.
Darauf steht: So sagt die Person ja.
Darauf steht: So sagt die Person nein.
Darauf steht: So lange dauert eine Antwort.
Nehmen Sie diese Seite immer mit.
Diese Arbeit ist anstrengend.
Reden Sie mit Kolleginnen darüber.

Die Übung: Dolmetschen üben

Eine kurze Szene mit drei Beteiligten. Sie geben nur weiter: nichts dazu, nichts weg.

  1. Klären Sie zuerst mit der assistierten Person, ob sie mitmacht. Wenn nicht, endet die Übung hier.
  2. Bitten Sie eine dritte Person — Kollegin, Besuch, Angehörige — der assistierten Person eine echte Frage zu stellen.
  3. Ihre Rolle: Sie geben nur weiter. Keine Ergänzung („Sie meint bestimmt …“), keine Erklärung („Das macht sie immer so“), keine Glättung („Sie ist heute etwas müde“).
  4. Spricht die dritte Person Sie an statt die assistierte Person, geben Sie die Frage zurück: „Fragen Sie sie bitte selbst. Ich sage Ihnen, wie sie antwortet.“
  5. Warten Sie die volle Antwortzeit ab, auch wenn es still wird und die dritte Person unruhig wirkt.
  6. Fragen Sie danach beide, wie es war. Die assistierte Person zuerst. Das ist unbequem — genau das ist der Lerninhalt, halten Sie es aus, statt es wegzureden.

Bitten Sie eine andere Person um Hilfe.
Sie stellt der assistierten Person eine Frage.
Sie geben die Frage nur weiter.
Sie erklären nichts.
Sie ergänzen nichts.
Warten Sie in Ruhe auf die Antwort.
Fragen Sie danach: Wie war das für Sie?

Die Übung: Die Notfallseite

Eine Seite, mit der ein völlig fremder Mensch in fünf Minuten eine Ja/Nein-Frage stellen kann. Sie wird nicht nur geschrieben, sondern getestet.

  1. Schreiben Sie die Seite mit der Person. Ganz oben: Name, Anrede, Sprache.
  2. Dann die vier Kernpunkte: So sieht ein Ja aus. So sieht ein Nein aus. So lange dauert eine Antwort. So stellt man eine Frage, die sie beantworten kann.
  3. Dazu zwei Sätze zum Gerät: wo es ist, wie es eingeschaltet und positioniert wird. Und der Hinweis, dass kein Zeichen keine Zustimmung ist.
  4. Ganz unten eine Telefonnummer von jemandem, der die Formen der Person kennt und auch nachts erreichbar ist.
  5. Testen Sie die Seite an einem Menschen, der nichts über Unterstützte Kommunikation weiß. Geben Sie ihm nur die Seite und lassen Sie ihn eine Ja/Nein-Frage stellen.
  6. Was er nicht hinbekommt, ist ein Fehler der Seite, nicht des Lesers. Kürzen und umschreiben, bis es klappt.
  7. Legen Sie Kopien dorthin, wo sie im Notfall gefunden werden: Tasche, Rollstuhl, beim Gerät. Nicht in den Ordner im Regal.

Schreiben Sie eine Seite für den Notfall.
Darauf steht: So sagt die Person ja.
Darauf steht: So sagt die Person nein.
Darauf steht: So lange dauert eine Antwort.
Darauf steht eine Telefonnummer.
Geben Sie die Seite einer fremden Person.
Kann sie damit eine Frage stellen?
Wenn nicht: Machen Sie die Seite einfacher.

Zum Nachdenken: Die Ärztin fragt Sie: „Hat sie Schmerzen?“ Was ist die fachlich richtige Reaktion?

Ihre Rückmeldung

Dieser Kurs lebt von den Menschen, die ihn benutzen. Anregungen und Verbesserungswünsche sind immer willkommen – was war unklar, was hat gefehlt, was hat in Ihrem Alltag nicht funktioniert? Schreiben Sie an lars.tiedemann@assistuk.net.

Wie fanden Sie den Kurs?
Schreiben Sie uns gerne.
Was war gut? Was war schwer?
Was hat gefehlt?
Die E-Mail-Adresse ist:
lars.tiedemann@assistuk.net

Zum Schluss

Wenn alle 3 Einheiten erledigt sind, können Sie eine Teilnahmebestätigung ausdrucken. Der Name wird nur in das Papier gedruckt – er wird nirgends gespeichert und nicht übertragen.

Sind alle Einheiten fertig?
Dann können Sie ein Blatt Papier ausdrucken.
Ihr Name kommt nur auf das Papier.
Wir speichern den Namen nicht.

Die Bestätigung wird möglich, sobald alle Einheiten erledigt sind.

Teilnahmebestätigung

Die Teilnehmerin oder der Teilnehmer hat die folgenden Lerneinheiten bearbeitet:
Schutz, Team und die eigene Rolle
  1. Nein, Verhalten, Schutz
  2. Wissen, das die Tür überlebt
  3. Draußen und die eigene Rolle
Ausgedruckt am .
Diese Bestätigung hält fest, welche Lerneinheiten bearbeitet wurden.
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