Down-Syndrom & Unterstützte Kommunikation
Verstehen kommt früher als Sprechen – und Gebärden bremsen es nicht.
Worum es geht
Beim Down-Syndrom (Trisomie 21) entwickelt sich Sprache meist verzögert – und ungleichmäßig: Das Verstehen ist in der Regel deutlich weiter als das Sprechen. Viele Kinder verstehen Sätze, deren Aussprache ihnen noch lange schwerfällt. Diese Lücke zwischen „weiß ich“ und „kann ich sagen“ ist der eigentliche Grund für Frust – auf beiden Seiten.
Dafür gibt es körperliche Gründe: eine oft geringere Muskelspannung im Mundbereich, anatomische Besonderheiten und eine erschwerte Koordination der Sprechbewegungen. Die Verständlichkeit leidet, nicht der Inhalt.
Das Hören gehört immer mit geprüft. Mittelohrprobleme und wechselnde Hörminderungen sind häufig. Wer zeitweise schlechter hört, lernt Laute schlechter – regelmäßige Hörkontrollen sind deshalb keine Nebensache, sondern Teil der Sprachförderung.
Kinder mit Down-Syndrom lernen Sprache langsamer.
Sie verstehen aber meistens viel mehr,
als sie sagen können.
Das Sprechen ist schwer.
Die Muskeln im Mund sind oft schwach.
Der Kopf weiß das Wort. Der Mund schafft es nicht.
Wichtig ist auch das Hören.
Viele Kinder hören manchmal schlecht.
Lassen Sie das regelmäßig prüfen.
Gebärden bremsen das Sprechen nicht
Die häufigste Sorge lautet: „Wenn mein Kind gebärdet, spricht es nie.“ Die Forschung sagt das Gegenteil. Gebärden und Symbole sind eine Brücke, kein Ersatz – sie nehmen Druck vom Sprechen und geben dem Kind sofort etwas in die Hand. In der Praxis beginnen viele Kinder eher zu sprechen, wenn sie vorher gebärden durften.
In Deutschland ist die gebärdenunterstützte Kommunikation beim Down-Syndrom weit verbreitet: Man spricht ganz normal in Sätzen und gebärdet dabei nur die Schlüsselwörter mit. Das ist keine Gebärdensprache, sondern eine Begleitung der Lautsprache.
Genauso wichtig: Gebärden sind nicht das Ende der Fahnenstange. Wenn Sprache und Wortschatz wachsen, kommen Symboltafeln, Sprachcomputer oder Schrift dazu – oft nebeneinander.
Viele Eltern haben Angst:
Wenn mein Kind Gebärden lernt,
spricht es vielleicht nie.
Das stimmt nicht.
Gebärden helfen beim Sprechen lernen.
Sie sind eine Brücke.
So geht es:
Sie sprechen ganz normal.
Bei wichtigen Wörtern machen Sie die Gebärde dazu.
Was im Alltag hilft
Sehen ist oft die Stärke. Was zu sehen ist, wird häufig besser behalten als das, was nur gesagt wird. Bilder, Symbole, Fotos und geschriebene Wörter sind deshalb keine Krücke, sondern der passende Kanal.
Lesen früh anbieten. Ganzwörter und Schrift können die Sprachentwicklung stützen – auch bevor alle Laute sitzen. Wer ein Wort sieht, hat es stabiler vor sich als ein Wort, das verklingt. Mehr dazu unter Lesen und Schreiben lernen.
Kurze Sätze, klare Betonung, Pausen. Nicht lauter sprechen, sondern langsamer und mit mehr Pausen – und dem Kind Zeit lassen zu antworten.
Verständlichkeit ist nicht alles. Wenn ein Wort nicht ankommt, hilft Nachfragen mit Auswahl („Meinst du Ball oder Buch?“) mehr als wiederholtes „Wie bitte?“. Ein Kommunikationsmittel daneben nimmt der Situation die Schärfe.
Bilder helfen beim Lernen.
Viele Kinder merken sich Bilder gut.
Besser als nur gesprochene Wörter.
Lesen ist wichtig.
Fangen Sie früh damit an.
Auch wenn das Sprechen noch schwer ist.
Sprechen Sie langsam.
Machen Sie Pausen.
Nicht lauter sprechen.
Wenn Sie etwas nicht verstehen:
Fragen Sie mit Auswahl.
Zum Beispiel: Meinst du Ball oder Buch?
Erste Schritte, die sich lohnen
- Hören prüfen lassen – regelmäßig, nicht nur einmal.
- Zehn Gebärden für den Alltag auswählen: mehr, fertig, essen, trinken, nochmal, schlafen, spielen, helfen, weh, schön. Alle im Umfeld benutzen sie – nicht nur eine Person.
- Immer selbst mitmachen. Gebärden und Symbole zeigen, während Sie sprechen – ohne dass das Kind etwas zurückgeben muss.
- Schrift dazunehmen, sobald Interesse an Buchstaben da ist – auch einzelne Anfangsbuchstaben sind schon ein Werkzeug.
- Zu einem Vokabular übergehen, wenn der Wortschatz wächst: Ein Seitenset wächst mit, eine Gebärdensammlung stößt irgendwann an Grenzen.
So können Sie anfangen:
1. Lassen Sie das Hören prüfen.
2. Suchen Sie 10 Gebärden aus.
Zum Beispiel: mehr, fertig, essen, trinken.
Alle in der Familie machen mit.
3. Machen Sie die Gebärden selbst vor.
Das Kind muss nichts zurück machen.
4. Zeigen Sie auch Buchstaben und Wörter.
5. Später kommt ein Sprech-Gerät dazu.
Was oft passt
Vokabulare & Seitensets (Grid):
- Scripo Start – Einstieg mit Literacy von Anfang an.
- Scripo Pro – Symbol und Schrift zusammen, wächst mit.
- Lesen und Schreiben – Schriftsprache Schritt für Schritt.
Kostenlos ausprobieren:
Das kann gut passen:
Zum Anfangen: Scripo Start.
Zum Mitwachsen: Scripo Pro.
Zum Lesen lernen: Lesen und Schreiben.
Zum Ausprobieren:
Die App TouchTo. Sie ist kostenlos.
Zum Weiterlesen
- Deutsches Down-Syndrom InfoCenter – Fachinformationen, Materialien und Beratung für Familien und Fachleute.
- Down-Syndrom Netzwerk Deutschland – Zusammenschluss von Elterninitiativen und Selbsthilfegruppen.
- Zur oft gestellten Frage, ob Gebärden das Sprechen bremsen: Die Forschung zeigt das Gegenteil – Gebärden und Symbole stützen die Lautsprache, sie ersetzen sie nicht.
Diese Seite ersetzt keine individuelle Beratung. Fragen zur Versorgung beantworten REHAVISTA oder deren Partnerfirmen, wohnortnahe UK-Beratung vermittelt die GesUK.
Es gibt das Down-Syndrom InfoCenter.
Dort gibt es viele Infos.
Für Familien und Fach-Leute.
Viele Eltern fragen:
Bremsen Gebärden das Sprechen?
Nein. Gebärden helfen beim Sprechen.
Die ausführliche fachliche Grundlage – frühe Gebärden als Brücke, das Hören als Prüffrage und die Schrift als Chance – steht als Grundlagentext bereit: „Die Hände sprechen zuerst“ (PDF).
Es gibt einen längeren Text zum Herunterladen.
Er erklärt alles genau.
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