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Der Körper spricht

Acht Einheiten über die Kommunikation, die immer dabei ist: Mimik, Blick, Laute, Gesten, Gebärden und verabredete Ja-Nein-Zeichen — und was das Umfeld tut, damit sie tragen.

Worum es geht

Für Assistenzkräfte, Eltern und Familien, Lehrkräfte sowie pädagogische und therapeutische Fachkräfte — für alle, die mit Menschen leben und arbeiten, deren Lautsprache nicht oder nicht verlässlich trägt. Kein Vorwissen nötig, kein Gerät nötig; als dritte Einheit des Lernpfads baut der Kurs auf „Ein guter Gesprächspartner werden“ auf, lässt sich aber auch einzeln durcharbeiten.

Jede der 8 Einheiten hat denselben Aufbau: erst das Wissen, dann eine Übung am eigenen Gerät, dann eine Frage zum Nachdenken. Die Frage wird nicht benotet und lässt sich beliebig oft wiederholen – sie soll zeigen, ob etwas angekommen ist, nicht, wer den Kurs macht.

Etwa zwei Stunden, aufteilbar. Der Stand bleibt auf diesem Gerät gespeichert. Es gibt keine Anmeldung und kein Konto. Der Stand steht ausschließlich in diesem Browser; er verschwindet, wenn Sie die Browserdaten löschen, und wandert nicht auf ein anderes Gerät.

Am Ende können Sie eine Teilnahmebestätigung ausdrucken. Sie hält fest, welche Lerneinheiten Sie bearbeitet haben.

Alles hier steht auch ohne Kurs offen: Grundlagentext: Die Sprache am Körper, die Themen mit Video und die Themenseite: Kommunikative Kompetenz.

Das ist ein Kurs über den Körper.
Der Körper spricht immer mit: das Gesicht, die Augen, die Hände.
Der Kurs zeigt: Wie lese ich diese Zeichen?
Und wie verabrede ich feste Zeichen mit einer Person?
Sie brauchen kein Gerät. Nur sich selbst und Zeit.
Der Kurs hat 8 Einheiten.
In jeder Einheit gibt es: Wissen, eine Übung und eine Frage.
Die Frage wird nicht benotet.
Sie brauchen kein Konto. Sie müssen sich nicht anmelden.
Am Ende können Sie ein Blatt Papier ausdrucken.
Darauf steht: Das habe ich gelernt.
Das Blatt ist kein Zeugnis.

Was der Körper schon sagt

Es gibt ein Kommunikationssystem, das nie geladen werden muss, nie im anderen Rucksack liegt, in der Badewanne funktioniert und keinen Antrag braucht: den eigenen Körper. In der Fachsprache heißen diese Formen körpereigene Kommunikationsformen — die Unterstützte Kommunikation (UK) führt sie neben den externen Hilfen wie Tafeln und Geräten, und zwar als deren Partner, nicht als deren Konkurrenz.

Die Familie dieser Formen ist größer, als das Wort „Gebärden“ vermuten lässt. Zu ihr gehören die natürlichen Signale — Mimik, Blickrichtung, Körperspannung, Hinwenden und Abwenden, Zeigen, Hinführen —, die Gebärden aus Gebärdensammlungen, die erweiterten natürlichen Gebärden, bei denen Bewegungen, die die Person ohnehin im Repertoire hat, gezielt zu verabredeten Zeichen ausgebaut werden (diesen Weg hat Stephen Calculator mit Familien von Kindern mit Angelman-Syndrom beschrieben), und die verabredeten Codes: das stabile Ja/Nein über Kopf, Blick oder Laut, Blick-Codes, Partnerbuchstabieren.

Dass diese Formen in Beratungen oft hinter der Technik verschwinden, hat einen nachvollziehbaren Grund: Geräte kann man beantragen, Gebärden muss man lernen. Der Preis ist hoch — Menschen bekommen das System mit Akku und verlieren die Systeme ohne. Dabei braucht jedes Kommunikationsleben beide: die schnelle Form für das Nahe und Dringende, die externe Hilfe für das Öffentliche, Neue und Komplexe.

Ihre erste Aufgabe in diesem Kurs ist deshalb keine Anschaffung, sondern eine Bestandsaufnahme. Drei Fragen genügen für den Anfang: Was liest das Umfeld schon? Welches Ja und welches Nein ist stabil? Welche Bewegungen, die diese Person ohnehin macht, ließen sich zu verabredeten Zeichen ausbauen? Wer so fragt, handelt nach der Kompetenzvermutung aus dem Kurs „Ein guter Gesprächspartner werden“ — im Zweifel für die Person. Die Frage ist nie, ob ein Mensch sich äußert, sondern ob jemand da ist, der die Äußerung als Äußerung behandelt.

Ihr Körper spricht immer mit.
Das Gesicht, die Augen, die Hände, die Haltung.
Diese Zeichen hat jeder Mensch immer dabei.
Sie brauchen dafür kein Gerät und keinen Strom.
Schauen Sie zuerst: Welche Zeichen sind schon da?

Die Übung: Drei Minuten mit stillen Händen

Eine Selbsterfahrung, die zeigt, wie viel von Ihrer eigenen Sprache gar nicht aus dem Mund kommt — suchen Sie sich eine zweite Person.

  1. Erzählen Sie drei Minuten lang von etwas, das Sie wirklich ärgert oder freut.
  2. Regel dabei: Die Hände bleiben flach auf dem Tisch, das Gesicht bleibt ruhig, der Oberkörper bewegt sich nicht. Nur die Stimme arbeitet.
  3. Fragen Sie danach die zuhörende Person: Was hat gefehlt? Und sich selbst: Wie oft mussten Sie sich zurückhalten?
  4. Schreiben Sie zum Schluss auf, welche Körperzeichen Sie benutzt hätten — nicken, Augen aufreißen, Schultern hochziehen, zeigen. Das ist zugleich die Liste der Zeichen, die Sie bei anderen lesen können.
  5. Tauschen Sie die Rollen. Zuhören ohne Gesichtsantwort ist die unbequemere Seite.

Erzählen Sie jemandem etwas Wichtiges.
Ihre Hände bleiben dabei still auf dem Tisch.
Ihr Gesicht bleibt ruhig. Drei Minuten lang.
Wie war das für Sie?
Was hat der anderen Person gefehlt?

Zum Nachdenken: Was gehört zu den körpereigenen Kommunikationsformen?

Signale lesen und beantworten

In einer Wohneinrichtung gab es einen Mann, über den die Übergabe sagte, er „kommuniziere nicht“. Seine langjährige Bezugsbetreuerin sah es anders: die linke Augenbraue, die bei vertrauten Stimmen wanderte; das Absinken der Schultern, wenn zu viel los war; ein bestimmtes Schmatzen, das zuverlässig vor dem Weinen kam. Mit ihr hatte er Gespräche, ohne sie hatte er „Unruhephasen“. Derselbe Mensch, dieselben Signale — der Unterschied war der Partner.

Was gelingende Interaktion auf dieser Ebene ausmacht, ist gut beschrieben. Die Forschungsübersicht von Hostyn und Maes (2009) destilliert vier Kernkomponenten: sensitive Responsivität — feine Signale bemerken und prompt, passend und verlässlich beantworten; gemeinsame Aufmerksamkeit — nicht zur Person sprechen, sondern mit ihr bei derselben Sache sein; Ko-Regulation — beleben, wenn die Person absinkt, beruhigen, wenn sie überflutet; und emotionale Gestimmtheit — Wärme und echtes Vergnügen aneinander. Alle vier liegen beim Verhalten des Partners. Das ist keine Zumutung, sondern eine Befreiung: Partnerverhalten ist das Einzige an dieser Konstellation, das sich direkt verändern lässt.

Bedeutung entsteht dabei nicht in der Person, sondern zwischen zweien. Am Anfang stehen Signale ohne Adresse: Der Körper äußert Befinden, ohne es jemandem mitzuteilen. Der entscheidende Schritt geschieht im Partner — er behandelt das Signal, als wäre es an ihn gerichtet, und antwortet zuverlässig. Aus dieser verlässlichen Beantwortung wächst, oft über lange Zeit, die Entdeckung: Mein Verhalten bewegt Menschen. Erst damit entsteht absichtliche Kommunikation. Stützen lässt sich das durch dieselben Antworten auf dieselben Signale, durch Routinen mit Erwartungsstellen und durch Wartezeit — erzwingen lässt es sich nicht.

Zwei entgegengesetzte Fehler bedrohen diese Arbeit, und beide verletzen dieselbe Würde. Der erste ist das Aufgeben: „kommuniziert nicht“ in der Akte, Ansprache nur noch funktional, Entscheidungen über den Kopf hinweg. Der zweite ist subtiler — die Als-ob-Falle: aus Zuwendung mehr in Signale hineinzulesen, als da ist. Die Grenze verläuft im Handwerk: Deuten ist nötig, aber es bleibt als Deutung gekennzeichnet („Ich lese das als …“), es wird im Team gegengeprüft, und die Urheberschaft bleibt beim beobachtbaren Verhalten der Person. Niemandem die Äußerung absprechen — und niemandem Äußerungen unterschieben.

Jeder Mensch zeigt etwas.
Manche Zeichen sind sehr klein.
Ihre Aufgabe ist: hinsehen und antworten.
Antworten Sie immer gleich auf das gleiche Zeichen.
Schreiben Sie auf, was Sie sehen. Getrennt davon, was Sie vermuten.

Die Übung: Das Signal-Lexikon

Eine Woche, ein Blatt Papier, drei Spalten — und am Ende wissen mehrere Menschen dasselbe.

  1. Machen Sie drei Spalten: „Was ich sehe“, „Was ich vermute“, „Woran ich es prüfe“. Notieren Sie eine Woche lang täglich fünf Minuten hinein.
  2. In die erste Spalte kommt nur Beobachtbares: „hebt die linke Augenbraue“, nicht „freut sich“. Die Deutung hat ihre eigene Spalte — und muss dort auch bleiben.
  3. Zeigen Sie die Liste einer zweiten Person, die den Menschen kennt. Sieht sie dieselben Signale? Wo weichen Sie voneinander ab?
  4. Geben Sie dem Lexikon einen Ort: In der Assistenz gehört es in die Übergabe und in die Einarbeitungsmappe. Zu Hause reicht ein Blatt an der Innenseite eines Schranks, das auch Besuch und Großeltern sehen. In der Schule bekommt es einen festen Platz, den auch Fach- und Vertretungskräfte am ersten Tag finden.
  5. Streichen Sie am Ende der Woche jede Deutung, die außer Ihnen niemand sieht. Sie darf zurückkommen — aber erst, wenn eine zweite Person sie bestätigt.

Nehmen Sie ein Blatt Papier.
Schreiben Sie auf: Was tut die Person?
Schreiben Sie daneben: Was glaube ich, heißt das?
Fragen Sie eine andere Person. Sieht sie das auch?
So wissen alle, was die Zeichen bedeuten.

Zum Nachdenken: Warum trennt man im Signal-Lexikon die Beobachtung von der Deutung?

Ja und Nein verlässlich verabreden

Ein sicheres Ja und ein sicheres Nein sind das kleinste vollständige Kommunikationssystem der Welt: Mit ihnen lässt sich, gute Fragen vorausgesetzt, fast alles klären — bis hin zum Buchstabieren ganzer Texte über Blickrichtungen auf einer durchsichtigen Tafel. Für Menschen mit schwersten motorischen Einschränkungen ist ein verabredeter Code oft der schnellste und in manchen Lagen der einzige Weg: das doppelte Blinzeln, der Blick nach oben, der Laut für Ja.

Drei Qualitätsregeln entscheiden, ob ein solcher Code trägt. Stabilität: Dieselbe Bewegung bedeutet dasselbe — auch am müden Abend, auch bei Fieber; im Zweifel wählt man die zuverlässigere Bewegung, nicht die elegantere. Dokumentation: Der Code gehört aufgeschrieben und jedem neuen Menschen erklärt — ein Ja/Nein, das nur zwei Menschen lesen, stirbt mit dem Dienstplan. Partnerdisziplin: Codes sind nur so gut wie die Fragen, die man dazu stellt — einzeln, eindeutig, mit Pausen, ohne Suggestion.

Die Fragekunst ist hier keine Kür, sondern die halbe Technik — und sie steht ausführlich im Kurs „Ein guter Gesprächspartner werden“. Drei Dinge daraus gelten wörtlich auch hier. Nach jeder Frage mindestens zehn Sekunden zugewandt warten, ohne zu wiederholen und ohne umzuformulieren; jede Wiederholung setzt die halbfertige Antwort zurück auf Anfang. Eine Frage nach der anderen — eine Doppelfrage ist mit einem Ja/Nein nicht beantwortbar. Und der unbequemste Prüfstein: Machen Sie ab und zu absichtlich einen falschen Vorschlag. Kommt kein Widerspruch, funktioniert der Nein-Weg dieser Person noch nicht — eine Zustimmung ist nur so viel wert, wie die Ablehnung leicht ist.

Verabredet ist ein Ja/Nein erst, wenn es überall gilt. In der Assistenz gehört es in die Übergabe und an einen Ort, den eine neue Kollegin am ersten Tag findet — Springer- und Nachtdienste ausdrücklich eingeschlossen, denn wer die Zeichen nicht kennt, fragt gar nicht erst. Zu Hause haben Familien oft das feinste Ja/Nein überhaupt und schreiben es nie auf; genau dieses Wissen fehlt dann in der Notaufnahme, in der Kurzzeitunterbringung, in der Freizeitgruppe — eine halbe Seite mit zwei Fotos ändert das. In der Schule gilt das Zeichen in allen Fächern und auf dem Schulhof, nicht nur bei der Lehrkraft, die es eingeführt hat; Fach- und Vertretungskräfte gehören genauso mitversorgt wie die Mitschülerinnen und Mitschüler, die ja die eigentlichen Gesprächspartner in der Pause sind.

Ja und Nein sind die wichtigsten Zeichen.
Verabreden Sie ein festes Zeichen für Ja.
Und ein festes Zeichen für Nein.
Schreiben Sie beide Zeichen auf. Mit Foto.
Alle Menschen um die Person müssen die Zeichen kennen.

Die Übung: Der Ja-Nein-Test

Fünf Fragen, deren Antworten Sie schon kennen — und die trotzdem etwas Neues zeigen.

  1. Schreiben Sie zuerst auf, wie das Ja und wie das Nein dieser Person aussehen, in beobachtbaren Worten. Wenn Sie dabei ins Stocken geraten, ist das bereits das wichtigste Ergebnis.
  2. Stellen Sie fünf harmlose Fragen, deren Antwort Sie sicher kennen: drei mit Ja, zwei mit Nein. Warten Sie nach jeder Frage mindestens zehn Sekunden, ohne zu wiederholen.
  3. Zählen Sie aus: Wie oft kam das erwartete Zeichen? Und kam das Nein genauso deutlich und genauso schnell wie das Ja? Ein Ja auf alles ist kein gutes Zeichen, sondern ein Warnzeichen.
  4. Wiederholen Sie dieselben fünf Fragen am müden Abend und mit einer zweiten Person. Ein Code, der nur mittags und nur bei Ihnen funktioniert, ist noch keiner.
  5. Halten Sie das Ergebnis auf einer halben Seite mit zwei Fotos fest und legen Sie sie dorthin, wo eine neue Kollegin, eine Vertretungslehrkraft oder eine Klinik sie am ersten Tag findet.

Wie sagt die Person Ja? Wie sagt sie Nein?
Stellen Sie fünf leichte Fragen.
Sie kennen die Antworten schon.
Warten Sie nach jeder Frage lange.
Kommt das Nein so deutlich wie das Ja?

Zum Nachdenken: Woran erkennen Sie, dass ein verabredetes Ja/Nein wirklich trägt?

Gebärden: drei Begriffe unterscheiden

Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige, natürlich gewachsene Sprache mit eigener Grammatik. Seit William Stokoes Arbeit von 1960 ist linguistisch geklärt, dass Gebärdensprachen vollwertige Sprachen sind; seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache auch rechtlich anerkannt (§ 6 Behindertengleichstellungsgesetz). Sie ist die Sprache der Gehörlosengemeinschaft — und nicht das, was in der Unterstützten Kommunikation überwiegend verwendet wird. Wer das weiß, kann respektvoll über beides sprechen.

Lautsprachbegleitende Gebärden übersetzen gesprochene Sätze Wort für Wort in Gebärden; die Grammatik bleibt die deutsche. Das ist vor allem ein Werkzeug der Hörgeschädigtenpädagogik. Lautsprachunterstützende Gebärden — die Form der Unterstützten Kommunikation — begleiten das Sprechen nicht Wort für Wort, sondern markieren die Schlüsselwörter: „Wir gehen jetzt essen“ bekommt genau eine Gebärde, nämlich ESSEN. Gesprochen wird dabei immer.

Diese Selektivität ist kein Notbehelf, sondern das Funktionsprinzip. Sie hebt die tragenden Wörter aus dem Lautstrom heraus, verlangsamt Ihr eigenes Sprechtempo ganz von selbst und gibt der Person ein motorisch nachahmbares Modell. Dass das auch dem Verstehen hilft, wird chronisch unterschätzt: Alisa Rudolphs Untersuchung von 2018 zeigt, dass Kinder mit Intelligenzminderung Begriffe und Sätze besser verstehen, wenn die Schlüsselwörter gebärdet werden — eine Querschnittsuntersuchung zum Verstehen, keine Therapiestudie, aber ein deutlicher Befund.

Bleibt die häufigste Elternfrage: Nehmen die Hände dem Mund etwas weg? Die Antwort steht in den Daten. Die Forschungsübersicht von Millar, Light und Schlosser (2006) fand in der belastbaren Teilmenge keinen einzigen Fall von Lautsprachrückgang; die Synthese von Dunst, Meter und Hamby (2011) fand konsistente Zuwächse der Lautsprachproduktion, wenn Gebärden mit Lautsprache kombiniert wurden; und die finnische Langzeitlinie von Kaisa Launonen zeigte Vorteile der frühen Gebärdenförderung bis ins achte Lebensjahr — lange nachdem die Kinder die Gebärden selbst abgelegt hatten. Sagen Sie Eltern also ruhig beides: Ihr Kind lernt keine neue Grammatik, sondern einzelne Gebärden als Brücke. Und was Sprechanreize tatsächlich nimmt, ist nicht die Gebärde, sondern die Kommunikationslosigkeit des Wartens.

Es gibt drei verschiedene Sachen mit Gebärden.
Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigene Sprache.
Sie ist die Sprache von gehörlosen Menschen.
In der Unterstützten Kommunikation ist es anders.
Da gebärdet man nur die wichtigsten Wörter. Und spricht dabei.

Die Übung: Ein Satz, ein Wort

Bevor Sie eine einzige Gebärde lernen, üben Sie das Schwerere: das richtige Wort auswählen.

  1. Schreiben Sie zehn Sätze auf, die in Ihrem Alltag mit dieser Person täglich vorkommen — „Wir gehen jetzt raus“, „Das Essen ist fertig“, „Willst du noch mehr?“.
  2. Unterstreichen Sie in jedem Satz genau ein Wort: das, ohne das der Satz zusammenfällt. Nicht zwei, nicht drei.
  3. Sprechen Sie die zehn Sätze laut und betonen Sie das unterstrichene Wort deutlich — begleitet von einer Handbewegung Ihrer Wahl, auch wenn Sie die richtige Gebärde noch nicht kennen. Es geht heute um die Auswahl, nicht um die Form.
  4. Prüfen Sie Ihre Liste: Sind mehr als zwei Ihrer zehn Wörter Hauptwörter? Dann fehlen die kleinen Wörter, an denen alles hängt — mehr, fertig, nochmal, nicht, gucken, helfen.
  5. Diese zehn Wörter sind Ihre Startliste für die nächste Einheit. Heben Sie sie auf.

Schreiben Sie zehn Sätze aus Ihrem Alltag auf.
Suchen Sie in jedem Satz das wichtigste Wort.
Nur ein Wort pro Satz.
Sagen Sie den Satz und betonen Sie dieses Wort.
Diese zehn Wörter brauchen Sie später.

Zum Nachdenken: Was sind lautsprachunterstützende Gebärden?

Gebärden im Alltag — das Umfeld lernt mit

Gebärden sind die einzige Kommunikationsform, die das Gegenüber selbst produzieren können muss. Ein Symbol kann ich zeigen, ohne es zu sprechen — eine Gebärde muss ich ausführen. Daraus folgt die wichtigste Regel dieser Einheit: Das Umfeld gebärdet zuerst. Eine Gebärde, die nur die unterstützt kommunizierende Person können soll, ist keine; die Erwachsenen benutzen sie monatelang, bevor etwas zurückkommt — genau das Prinzip „Input vor Output“, das Sie aus dem Modeling im Kurs „Ein guter Gesprächspartner werden“ kennen. Und rechnen Sie mit Dialekt: Die Ausführung wird undeutlich sein wie erste Wörter auch. Es zählt die Verständlichkeit im vertrauten Kreis, nicht die Lehrbuchform.

Vorher steht eine Entscheidung: welche Gebärdensammlung. Im deutschsprachigen Raum sind unter anderem „Schau doch meine Hände an“, die Gebärdenunterstützte Kommunikation nach Etta Wilken, Makaton und die Kestner-Materialien verbreitet. Die Rangfolge der Auswahlkriterien ist einfach: Erstens — was nutzt das Umfeld schon? Die beste Sammlung ist die, die Kita, Schule, Wohngruppe und Therapie gemeinsam verwenden; eine fachlich feinere Sammlung, die niemand im Umfeld kennt, ist die schlechtere Wahl. Zweitens Anschlussfähigkeit, vor allem bei Hörbeeinträchtigung. Drittens die Materiallage: Karten, Videos, Lieder, Apps — das Umfeld lernt über Material, nicht über Listen. Und dann: dabei bleiben. Ein Sammlungswechsel entwertet den gelernten Bestand und braucht einen wirklich guten Grund.

Für die Vermittlung an das Umfeld haben sich vier handfeste Formate bewährt. Die Gebärde der Woche: eine einzige neue Gebärde pro Woche, sichtbar ausgehängt, von allen benutzt — nach einem Jahr sind das fünfzig Gebärden, die alle können; das schlägt jeden Crashkurs. Feste Mini-Slots: fünf Minuten Gebärden in jeder Teambesprechung, ein Gebärdenlied im Morgenkreis, ein Gebärdenspiel im Alltag. Die Dokumentation der individuellen Gebärden mit Foto oder kurzem Video: Welche versteht die Person, welche nutzt sie, welche führt sie auf ihre eigene Weise aus? Und das Einbeziehen der Familie — gelernt werden die Gebärden, die zu Hause wirklich vorkommen.

Damit das trägt, braucht jede Rolle einen eigenen Auftrag. In der Assistenz gehört die Gebärde der Woche an die Pinnwand im Dienstzimmer und in jede Übergabe; neue Kolleginnen bekommen am ersten Tag nicht die Sammlung gezeigt, sondern die dokumentierten Eigenformen dieser Person. Zu Hause lernen Eltern, Geschwister und Großeltern die Wörter des eigenen Alltags — Essen, Trinken, Schlafen, Lieblingsdinge —, nicht das Curriculum der Einrichtung; ein Zettel am Kühlschrank ist die ganze Technik. In der Schule ist eine Gebärde, die nur im Förderunterricht gilt, keine: Sie gehört an die Klassentür, in den Morgenkreis, zu den Fach- und Vertretungskräften und ausdrücklich zu den Mitschülerinnen und Mitschülern. Wo Gebärden nur von einer engagierten Person getragen werden, enden sie mit deren Dienstplan.

Erst lernen die Erwachsenen die Gebärden.
Nehmen Sie eine neue Gebärde pro Woche.
Hängen Sie sie an eine Wand, wo alle sie sehen.
Alle benutzen diese Gebärde beim Sprechen.
Nach einem Jahr kennen alle fünfzig Gebärden.

Die Übung: Vier Wochen, vier Zettel

Die Gebärde der Woche im Selbstversuch — mit dem einen Schritt, an dem es sonst scheitert: der Zuständigkeit.

  1. Wählen Sie vier Wörter aus Ihrer Startliste aus Einheit 4, eines pro Woche. Beginnen Sie mit den kleinen Wörtern: mehr, fertig, nochmal, nicht.
  2. Hängen Sie montags ein Blatt an einen Ort, an dem alle täglich vorbeikommen: das Wort, die Gebärde als Foto oder Strichzeichnung, ein Beispielsatz aus dem echten Alltag.
  3. Verabreden Sie eine einzige Regel für die Woche: Diese Gebärde benutzt jede und jeder mindestens fünfmal am Tag beim eigenen Sprechen — ohne die Person aufzufordern, sie nachzumachen.
  4. Legen Sie fest, wer Bescheid gibt. In der Assistenz die Schichtleitung in der Übergabe. Zu Hause die Person, die den Zettel aufhängt, und zwar auch gegenüber Besuch und Großeltern. In der Schule die Klassenleitung gegenüber allen Fach- und Vertretungskräften.
  5. Halten Sie nach vier Wochen mit Foto oder kurzem Video fest, wie diese Person die vier Gebärden ausführt. Diese Eigenform ist die richtige — sie gehört dokumentiert, nicht korrigiert.

Suchen Sie vier wichtige Wörter aus.
Jede Woche kommt ein Wort dran.
Hängen Sie das Bild der Gebärde auf.
Alle machen die Gebärde beim Sprechen mit.
Die Person muss nichts machen. Nur sehen.

Zum Nachdenken: Warum wirkt „eine Gebärde pro Woche“ zuverlässiger als ein Wochenendkurs für das Team?

Vor dem ersten Zeichen

Manche Menschen kommunizieren vor jedem Symbol — in Atem, Muskeltonus, Blick und Laut. Gemeint sind Menschen mit schwersten und mehrfachen Beeinträchtigungen, deren Entwicklung auf einer frühen, vorsymbolischen Ebene steht. Zwei Klarstellungen gehören dazu. Vorsymbolisch heißt nicht bedeutungslos: All diese Äußerungen sagen etwas über Befinden, Interesse und Überforderung. Und diese Ebene ist kein Wartesaal: Manche Menschen gehen von hier zu Symbolen weiter, manche leben dauerhaft hier — und haben dasselbe Recht auf gute Kommunikation, nicht auf ewige Anbahnung von etwas anderem.

Der bekannteste methodische Rahmen dafür ist die Intensive Interaction von Melanie Nind und Dave Hewett: regelmäßige, kurze, druckfreie Zeiten zu zweit, in denen der Partner das Verhalten der Person aufgreift und beantwortet. Ihre Laute bekommen ein Echo, ihr Rhythmus wird mitgeklopft, ihre Pausen werden gehalten, ihr Blick wird gefeiert. Keine Aufgaben, keine Ziele in der Situation selbst — die Botschaft ist radikal einfach: Du bewirkst etwas in mir. Zur Ehrlichkeit gehört die Evidenzlage: Die Übersicht von Hutchinson und Bodicoat (2015) findet Zunahmen an sozialem und kommunikativem Verhalten, während die Befunde zur Verringerung herausfordernden Verhaltens begrenzt sind und die Studienqualität insgesamt schwach ist. Eine gut begründete Praxis mit positiver, aber dünner Evidenzbasis.

Drei Sätze blockieren den Anfang besonders häufig, und alle drei sind widerlegt. „Erst müssen Voraussetzungen da sein“ — Cress und Marvin (2003) haben die Voraussetzungsfragen einzeln durchgeprüft: Es gibt keine kognitiven, motorischen oder sprachlichen Vorbedingungen für den Beginn. „Dafür ist sie zu jung“ — es gibt kein Mindestalter; die finnische Langzeitstudie begann mit sechs Monaten. „Erst Objekte, dann Fotos, dann Symbole“ — diese Treppe ist als starre Stufenfolge durch nichts gedeckt; angeboten wird multimodal, und was trägt, zeigt die Nutzung. Der gemeinsame Nenner: Nicht die Person qualifiziert sich für Kommunikation — die Umgebung qualifiziert sich für die Person.

Technik hat auf dieser Ebene einen Platz, aber einen bescheidenen. Sie hilft als Wirksamkeits-Verstärker: ein großer Taster, der zuverlässig das Lieblingslied startet, das Licht wechselt, den Ventilator anwirft — Ursache und Wirkung in ihrer saubersten Form, von der schwächsten Bewegung auslösbar. Sie stört, wo sie den Dialog ersetzt statt füttert: Ein Bildschirm kann auslösen, aber nicht mitschwingen. Für die Rollen heißt das Verschiedenes. In der Assistenz sind zehn Minuten zu zweit ohne Pflegeauftrag kein Luxus, sondern Arbeit mit Zweck — sie gehören in den Dienstplan, nicht in die Restzeit. Zu Hause tun Eltern das meiste davon längst; die Aufgabe ist nicht, etwas Neues zu lernen, sondern es sich nicht abzugewöhnen, wenn das Kind größer wird. In der Schule braucht eine Schülerin auf dieser Ebene in jedem Fach eine Person, die antwortet — kein Programm, das läuft.

Manche Menschen sprechen noch nicht mit Zeichen.
Sie sprechen mit Atem, Blick und Lauten.
Antworten Sie darauf. Jeden Tag, immer gleich.
So merkt die Person: Ich bewirke etwas.
Man muss dafür nichts vorher können.

Die Übung: Zehn Minuten Echo

Die einzige Übung dieses Kurses, in der Sie nichts erreichen sollen — und die deshalb am meisten verändert.

  1. Nehmen Sie sich zehn Minuten ohne Auftrag: kein Waschen, kein Anziehen, kein Üben. Setzen Sie sich so, dass die Person Sie gut wahrnehmen kann.
  2. Tun Sie nichts als antworten. Auf einen Laut kommt Ihr Laut, auf eine Bewegung Ihre Bewegung, auf eine Pause Ihre Pause. Sie führen nicht, Sie folgen.
  3. Halten Sie jede Pause länger aus, als es sich richtig anfühlt. Sehr viele „keine Reaktion“ sind in Wahrheit „zu früh weitergemacht“.
  4. Notieren Sie danach drei Zeilen: Was hat die Person getan, nachdem Sie geantwortet hatten? Kam etwas zweimal?
  5. Wiederholen Sie das an fünf Tagen zur gleichen Zeit. Die Verlässlichkeit ist der Wirkstoff, nicht die Idee.

Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit.
Sie müssen nichts erreichen.
Die Person macht ein Geräusch. Sie machen es nach.
Die Person bewegt sich. Sie bewegen sich auch.
Machen Sie das jeden Tag zur gleichen Zeit.

Zum Nachdenken: Welche Voraussetzungen muss ein Mensch mitbringen, bevor man mit der Unterstützten Kommunikation beginnt?

Interaktionsspiele und die Kraft der Pause

Es gibt ein Spiel, das Menschen auf allen Kontinenten mit ihren Säuglingen spielen, ohne es je gelernt zu haben: Guck-guck. Jerome Bruner und Virginia Sherwood haben es 1976 Bild für Bild auseinandergenommen. Es besteht aus sehr wenigen Elementen in fester Reihenfolge — und genau diese Armut macht es stark: Weil so wenig passiert, kann das Kind vorhersagen, was als Nächstes kommt, und weil es vorhersagen kann, kann es mitmachen. Bruner nannte solche wiederkehrenden Handlungsrahmen Formate. Gelernt wird darin nicht „Tuch“ und nicht „weg“, sondern die Grundfigur jedes Gesprächs: Ich bin dran, du bist dran, und was ich tue, verändert, was du tust.

Ein Interaktionsspiel ist eine gemeinsame Handlung mit wenigen Bestandteilen, fester Reihenfolge, hoher Wiederholung und einem verabredeten Höhepunkt: Kitzelspiele, Ball hin und her, Turm bauen und umwerfen, Anschubsen der Schaukel, ein Lied mit fester Endgeste. Vier Dinge kommen darin zusammen: Vorhersagbarkeit (wer nie vorhersagen kann, kann nie vorgreifen — und Vorgreifen ist der Anfang von Absicht), Rollenwechsel (Colwyn Trevarthen hat gezeigt, dass die Dialogform da ist, bevor irgendein Wort da ist), gemeinsame Aufmerksamkeit — Michael Tomasello und Michael Farrar fanden 1986, dass Benennungen innerhalb der gemeinsamen Aufmerksamkeit mit dem späteren Wortschatz zusammenhängen, aufmerksamkeitsumlenkende Äußerungen dagegen negativ; also andocken statt umlenken — und die Wirksamkeitserfahrung: Carmen Basil hat 1992 beschrieben, wie Passivität als Folge stark lenkenden Partnerverhaltens entsteht, nicht aus fehlender Fähigkeit.

Bis hierhin ist das Spiel schön, aber stumm. Der eine Handgriff, der daraus einen Anlass zur Äußerung macht, ist banal und schwer zugleich: Man hört mitten drin auf. Die Schaukel kommt zum Stehen, das Lied bricht vor der Endgeste ab. Und dann nichts — kein „Was willst du?“, kein „Sag mal“, nur ein zugewandter Blick und Zeit. Das ist dieselbe erwartungsvolle Pause wie im Kurs „Ein guter Gesprächspartner werden“, hier nur an der stärksten Stelle: Vorher war Kommunikation nicht nötig, jetzt ist sie der einzige Weg zurück ins Vergnügen. Als Unterbrechung vertrauter Handlungsketten wird das seit den 1980er Jahren untersucht — Pam Hunt und Kolleginnen und Kollegen zeigten 1986, dass die so erworbenen Kommunikationsformen auch außerhalb der Übungssituation trugen; Mark Carter und Julie Grunsell fassten die Befunde 2001 zusammen: wirksam über Altersgruppen, Beeinträchtigungsgrade und Kommunikationsformen hinweg.

Das Handwerk ist schlicht, und es scheitert an vier vorhersagbaren Stellen. Die Pause wird gefüllt — aus dem Anlass wird eine Prüfung, und Prüfungen meidet jedes vernünftige Kind. Es wird zu früh variiert — Erwachsene halten Wiederholung schlechter aus als Kinder und zerstören dabei genau die Vorhersagbarkeit, von der das Spiel lebt. Die Antwort wird zu hoch gehängt — sobald nur noch der Tastendruck zählt und der Blick nicht mehr, hört die Person auf zu antworten. Es bleibt bei einer Person — ein Spiel, das nur mit einer Fachkraft läuft, ist ein Kunststück. Und zur Ehrlichkeit: Der aktuellste Überblick von Matthew Klein und Kolleginnen und Kollegen (2026) über vierzehn Einzelfallstudien zeigt, dass genau eine davon das Spielen selbst als Ergebnis gemessen hat. Für Kommunikationszuwächse ist die Grundlage gut; dass Spiele auch das Spielen reicher machen, ist bisher kaum untersucht.

Spielen Sie ein einfaches Spiel mit der Person.
Immer gleich. Sehr oft. Zum Beispiel schaukeln.
Dann hören Sie mitten im Spiel auf.
Sagen Sie nichts. Schauen Sie die Person an.
Jede Antwort zählt. Dann spielen Sie sofort weiter.

Die Übung: Zehnmal spielen, einmal stehen bleiben

Kein Material nötig, keine Vorbereitung — nur Geduld an einer einzigen Stelle.

  1. Wählen Sie ein Spiel mit höchstens drei Bestandteilen, das diese Person wirklich mag: schaukeln, Kitzeln mit Ansage, ein Lied mit fester Endgeste, Turm bauen und umwerfen. Es muss nicht pädagogisch wertvoll sein, es muss ziehen.
  2. Spielen Sie es mindestens zehnmal genau gleich — dieselbe Reihenfolge, dieselben Worte, dieselbe Endgeste. Was Ihnen langweilig vorkommt, ist gerade erst erkennbar geworden.
  3. Beim elften Mal hören Sie mitten drin auf. Die Schaukel steht still, das Lied bricht ab. Und dann sagen Sie nichts: zugewandt bleiben, schauen, warten — deutlich länger, als es sich anfühlt.
  4. Jede Antwort gilt: ein Blick, ein Laut, ein Zucken, ein Griff nach Ihrer Hand. Spielen Sie sofort weiter. Das Weiterspielen ist die Antwort, nicht das Lob.
  5. Schreiben Sie das Spiel auf: Ablauf, wo die Pause sitzt, was als Antwort gilt. Geben Sie den Zettel weiter — in der Assistenz an die Schicht, zu Hause an Geschwister und Großeltern, in der Schule an alle, die in dieser Klasse arbeiten.

Suchen Sie ein Spiel, das die Person mag.
Spielen Sie es zehnmal genau gleich.
Dann hören Sie plötzlich mitten drin auf.
Warten Sie. Sagen Sie nichts.
Kommt eine Antwort? Dann spielen Sie sofort weiter.

Zum Nachdenken: Sie haben das Spiel mitten drin angehalten. Was tun Sie jetzt?

Ein Wort, mehrere Wege

Kein Mensch kommuniziert einkanalig. Sprechende gestikulieren, nicken, schauen — und genauso selbstverständlich kombinieren unterstützt kommunizierende Menschen Gebärde, Blick, Laut und Gerät nach Situation. Die schnelle Gebärde für das Vertraute und Dringende, das Gerät für das Öffentliche, Neue und Komplexe, der verabredete Code für die Nacht und die Badewanne: Das ist keine Unentschlossenheit, sondern kommunikative Intelligenz. Praktisch heißt das, dass die Gebärde ESSEN und das Symbol essen auf der Kommunikationshilfe kein Entweder-oder sind, sondern dasselbe Wort auf zwei Kanälen. Wer beides vormacht, verdoppelt nicht die Last — er verdoppelt die Wege, auf denen das Wort ankommen und herauskommen kann.

Die Grenzen der körpereigenen Formen gehören dazu, offen ausgesprochen. Reichweite: Sie erreichen nur, wer sie lesen kann — der vertraute Kreis versteht, die Verkäuferin nicht; es gibt keine Sprachausgabe, die Fremde mitnimmt. Wortschatzdynamik: Ein Gebärdenrepertoire wächst nur so schnell, wie das Umfeld mitlernt. Beides sind Argumente für das Sowohl-als-auch, nicht für das Entweder-oder. Umgekehrt gilt genauso: Die Flüchtigkeit der Gebärde — sie ist weg, sobald sie ausgeführt ist — spricht dafür, dass daneben etwas Sichtbares liegen bleibt.

Deshalb wird nie gegeneinander ausgespielt. Der Satz „Er hat doch das Gerät, er soll nicht immer zeigen“ ist so falsch wie sein Spiegelbild „Sie gebärdet doch, wozu ein Gerät“. Menschen dürfen so viele Sprachen haben, wie sie tragen. Und was in diesem Kurs erarbeitet wurde, gehört jetzt zusammengeführt: die gelesenen Signale aus Einheit 2, das verabredete Ja/Nein aus Einheit 3, die vier Gebärden aus Einheit 5, die Spiele aus Einheit 7 — und daneben, wo vorhanden, Tafel oder Gerät. Alles auf einer Seite, mit Fotos, in Worten, die eine fremde Person versteht.

Diese Seite reist mit, und dafür braucht jede Rolle einen Auftrag. In der Assistenz gehört sie an einen Ort, den eine neue Kollegin am ersten Tag findet — Kommunikationspass und Ich-Buch sind ihr Zuhause, nicht der Aktenschrank. Zu Hause reist sie in die Klinik, ins Kurzzeitwohnen, in die Freizeitgruppe; ohne sie beginnt jede fremde Person bei null, und die Person selbst zahlt dafür. In der Schule gehört sie in jede Übergabe an die nächste Stufe, an die nächste Schule, an den Praktikumsbetrieb. Zum Schluss noch einmal der Maßstab aus dem Kurs „Ein guter Gesprächspartner werden“: Nicht wie viele Fragen jemand beantwortet, zeigt den Erfolg — sondern ob diese Person auf irgendeinem dieser Wege von sich aus ein Gespräch beginnen und auch beenden kann.

Ein Mensch darf viele Wege zum Sprechen haben.
Gebärden sind schnell und immer dabei.
Ein Gerät versteht auch ein fremder Mensch.
Beides zusammen ist am besten.
Schreiben Sie alle Wege auf einer Seite auf.

Die Übung: Die Kommunikations-Landkarte

Ein Blatt quer, vier Spalten — und am Ende sehen Sie schwarz auf weiß, wo diese Person gerade stumm ist.

  1. Machen Sie vier Spalten: „Zu Hause“, „Unterwegs und bei fremden Menschen“, „Nachts, im Bad, im Wasser“, „In Schule, Werkstatt oder Arbeit“.
  2. Tragen Sie ein, welcher Weg dort tatsächlich funktioniert: Blick, Gebärde, Laut, verabredetes Zeichen, Tafel, Gerät. Nur was wirklich benutzt wird, nicht was vorhanden ist.
  3. Suchen Sie die leeren Felder. Jedes leere Feld ist eine Situation, in der diese Person gerade keinen Weg hat — und damit Ihre nächste Aufgabe.
  4. Prüfen Sie die Wörter, die mehrfach vorkommen: Liegt dasselbe Wort auf allen Wegen? Die Gebärde ESSEN und das Symbol essen gehören zusammen, sonst gibt es zwei halbe Wortschätze statt einem ganzen.
  5. Legen Sie die Landkarte dorthin, wo eine fremde Person sie am ersten Tag findet: in den Kommunikationspass, ins Ich-Buch, an die Innenseite des Schranks.

Nehmen Sie ein Blatt Papier quer.
Machen Sie vier Spalten für vier Orte.
Wie spricht die Person an diesem Ort?
Wo ist ein Feld leer? Da fehlt ein Weg.
Legen Sie das Blatt dorthin, wo alle es finden.

Zum Nachdenken: Ein Mensch gebärdet seit Jahren und bekommt jetzt zusätzlich ein Gerät mit Sprachausgabe. Was ist richtig?

Ihre Rückmeldung

Dieser Kurs lebt von den Menschen, die ihn benutzen. Anregungen und Verbesserungswünsche sind immer willkommen – was war unklar, was hat gefehlt, was hat in Ihrem Alltag nicht funktioniert? Schreiben Sie an lars.tiedemann@assistuk.net.

Wie fanden Sie den Kurs?
Schreiben Sie uns gerne.
Was war gut? Was war schwer?
Was hat gefehlt?
Die E-Mail-Adresse ist:
lars.tiedemann@assistuk.net

Zum Schluss

Wenn alle 8 Einheiten erledigt sind, können Sie eine Teilnahmebestätigung ausdrucken. Der Name wird nur in das Papier gedruckt – er wird nirgends gespeichert und nicht übertragen.

Sind alle Einheiten fertig?
Dann können Sie ein Blatt Papier ausdrucken.
Ihr Name kommt nur auf das Papier.
Wir speichern den Namen nicht.

Die Bestätigung wird möglich, sobald alle Einheiten erledigt sind.

Teilnahmebestätigung

Die Teilnehmerin oder der Teilnehmer hat die folgenden Lerneinheiten bearbeitet:
Der Körper spricht
  1. Was der Körper schon sagt
  2. Signale lesen und beantworten
  3. Ja und Nein verlässlich verabreden
  4. Gebärden: drei Begriffe unterscheiden
  5. Gebärden im Alltag — das Umfeld lernt mit
  6. Vor dem ersten Zeichen
  7. Interaktionsspiele und die Kraft der Pause
  8. Ein Wort, mehrere Wege
Ausgedruckt am .
Diese Bestätigung hält fest, welche Lerneinheiten bearbeitet wurden.
ASSISTUK Lars Tiedemann · Lise-Meitner-Straße 14 · 79100 Freiburg · assistuk.net